Energisches Lebenszeichen

München - Der Künstlerverbund im Haus der Kunst zeigt die Schau „creatio continua“ – trotz finanzieller Probleme.

Seit vielen Jahren haben es die diversen Künstlervereinigungen schwer im Münchner Haus der Kunst. Obwohl sie doch aus (nachkriegs-)geschichtlicher Sicht die eigentlichen Hausherrn sind. Schließlich hatte die US-Verwaltung Hitlers Lieblings-Kunsttempel bewusst den Künstlern überlassen, auf dass sie die verfemte Moderne publik machen sollten. Das leisteten sie vorbildlich, bis das Unternehmen Haus der Kunst nicht mehr alleine zu stemmen war. Nun sind die Gruppen nur noch geduldet in dem Bau an der Prinzregentenstraße.

Kleinere Verbindungen wurden schon herausgedrängt; der traditionsreiche Verein Ausstellungsleitung der Großen Kunstausstellung im Haus der Kunst (GKA), der sich jetzt in Künstlerverbund im Haus der Kunst umbenennt (Satzungsänderung), hält sich mit Müh’ und Not. Im vergangenen Jahr wurde die Form der Biennale eingeführt. „Mit guter Resonanz, und doch eine Katastrophe für den Verein“, wie der aktuelle Vorsitzende Pavel Zelechovsky betont. 2012 durfte keine Große Kunstausstellung konzipiert werden, sodass die Gelder der staatlichen Projektförderung ausfielen; die beiden Angestellten mussten aber bezahlt werden: „Wir sind so gut wie pleite“, sagt Zelechovsky. Mit der neuen Satzung sollen zusätzliche Mitglieder und damit mehr Beiträge sowie Förderer geworben werden. Obwohl viele seiner Kollegen mit der Ausstellungsform Biennale „glücklich“ gewesen seien, so Zelechovsky, habe sie den Verein fast zerstört. Offenbar hatte sich vorher niemand über die Konsequenzen Gedanken gemacht. Oder wollte man die finanztechnisch nicht versierten Künstler auf diese Weise „elegant“ erledigen?

Die wollen trotzdem nicht einfach stillhalten und ziehen heuer tapfer die lediglich siebentägige Präsentation „creatio continua“ (fortgesetzte Schöpfung) durch. Eine Auktion sei ihnen für das Biennale-Zwischenjahr von Ministerium und Haus-der-Kunst-Stiftung zugesagt. „Aber dann können wir gleich eine kurze Schau veranstalten, haben wir uns gesagt, zumal wir gar nicht wissen, ob wir überhaupt etwas verkaufen“, konstatiert Zelechovsky.

Mit dem Titel „creatio continua“ gibt der Künstlerverbund dennoch ein energisches Lebenszeichen von sich. Nicht ohne schöne Ironie nehmen sich die rund 60 Künstler die sieben Tage der göttlichen Schöpfungsgeschichte zur Vorlage – und schauen sogar ein bissl (und mit Schrecken) auf den achten Tag. Dazu passt die offizielle Aussage: „Denn ,creatio continua‘ ist die erste Veranstaltung, die gemäß der getroffenen Absprachen mit dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst sowie mit der Stiftung Haus der Kunst München, gemeinnützige Betriebsgesellschaft mbH, in den Jahren zwischen den Biennalen der Künstler, also ebenfalls im Zweijahresturnus, stattfinden wird. Sie geht mit einer vertraglich vorgesehenen Bündelung der zeitlichen und räumlichen Bedingungen einher, die zehn Tage inklusive Auf- und Abbau auf einer Ausstellungsfläche von rund 800 Quadratmetern ermöglicht. Die diesjährige Veranstaltung kann als existenzieller Ankerpunkt vor der geplanten zweiten  Biennale der Künstler im Jahr 2015 bezeichnet werden.“

Warum die Mächtigen im Haus der Kunst den hiesigen Künstlern Schwierigkeiten bereiten, ist nicht nachvollziehbar. Denn ein Platzproblem gibt es nicht. Ein Nutzungsplan für das marode Gebäude, das saniert werden muss, soll demnächst erstellt werden. Zelechovsky hofft, „dass wir darin mehr berücksichtigt werden“. Die Vorzeichen sind dafür nicht gut: Wenn das Kunstministerium auf die leerstehenden Hallen im Westflügel des Hauses angesprochen und gefragt wird, warum dort die Künstlergruppen nicht schalten und walten dürfen, reagiert dessen Pressesprecher ahnungslos beziehungsweise gleichgültig. Man solle sich an die Stiftung Haus der Kunst wenden. Die Vereinbarungen wurden aber doch auch mit dem Ministerium getroffen, das die Ausstellungshalle finanziert!

Die Besucher sollten auf alle Fälle die Ausstellung „creatio continua“ erkunden. Von Montag an erwartet sie in der Nordgalerie eine Vielfalt an Kunstpositionen, die die Kapitel von „Licht und Dunkelheit – Tag und Nacht“ bis „Ein Ruhetag“ ernst und komisch, politisch wach und träumerisch, versponnen oder präzise umspielen. Als Ehrengast hat man sich die Bildhauerin Magdalena Jetelová erkoren. Sie ist mit einer neuen Blitz-Installation vertreten und mit Leuchtkasten-Aufnahmen ihres „Island Project“ von 1992.

Simone Dattenberger

Ausstellung

im Haus der Kunst (Nordgalerie), Prinzregentenstraße 1, von 28. Juli bis 3. August, täglich 10–20 Uhr, Do. bis 22 Uhr; Auktion am 3. August, 16 Uhr.

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