Räumung am Hauptbahnhof - das war der Grund

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Ennio Morricone dirigierte eigene Werke.

Der Maestro dirigierte seine Kompositionen in der Olympiahalle

Morricones Filmzauber 

München - Der italienische Maestro Ennio Morricone ist ein begnadeter Melodiker und ein rastloser Modernist. Jetzt dirigierte der 88-Jährige eigene Werke in der Münchner Olympiahalle. Lesen Sie hier unsere Kritik: 

Zwei Seelen wohnen, ach, wohl immer schon in seiner Brust. Einerseits der begnadete Melodiker, der minutenlange Bögen der Sehnsucht spannen kann. Andererseits ist Ennio Morricone Modernist – rastloser Experimentierer, Revolutionär und Intellektueller. Das Auftreten des genialen Filmkomponisten bei der „60 Years of Music“-Tour in der Münchner Olympiahalle suggeriert: keine Zeit für Sentimentalitäten. Den riesigen Applaus nimmt er dankbar, aber mit Ungeduld entgegen. Um die Musik geht’s ihm, nicht um die Person. Und auch seine Programmwahl in acht Suiten kennt kein Ausruhen bei Altbewährtem.

Der Münchner Uni-Chor gestaltete den Abend mit

Freilich zieht er den Hut vor den berühmten Regie-Weggefährten Tornatore und Leone, beginnt mit dem „Ozeanpianisten“, galoppiert mit der Goldekstase aus „Zwei glorreiche Halunken“ mächtig in die Pause. Lässt bei der Kutsche nach Red Rock aus „Hateful 8“ die Zügel schießen. Aber er erweist auch Mauro Bolognini Reverenz; und spätestens bei der Science-Fiction-Satire „H2S“ oder Mikhail Zalatokovs „Das rote Zelt“ muss selbst der Cineast tief kramen. Morricone, der Dirigent, scheint mitunter eher einzirkeln zu wollen, was der Komponist an Emotion wagt. Kommuniziert mehr mit seinen Partituren als mit dem bereitwillig, aber nicht vorauseilend spielfreudigen Nationalen Tschechischen Symphonieorchester. All das ist keine Verachtung des Gefühls, sondern das Wissen um dessen schwer zu bändigende Macht. So effektvoll die großen Nummern (mit dem Münchner Uni-Chor) sind – der wahre Herzschlag des Abends ist „Adagio“. Damit in dieser Halle einem 88-jährigen Herrn im dunklen Anzug stehend zugejubelt wird, braucht es schon eine lebende Legende. Dass aber 6500 Menschen still und feucht glänzenden Blicks „Irene-Dominique“ aus „Das Erbe der Ferramonti“ und „Addio Monti“ aus „Promessi Sposi“ lauschen, dazu muss man eben eine lebende Legende sein, die von weiser, aber nicht abgeklärter Warte aus auf ein Leben voller großer Gefühle blickt.

Thomas Willmann

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