Lawinenabgang im Berchtesgadener Land - Großeinsatz

Lawinenabgang im Berchtesgadener Land - Großeinsatz

Entdeckung und Wiedersehensfreude

- Während noch in Bayern ferienmäßig große Ruhe herrscht, bereiten die Bühnen von Schwerin bis Zürich die ersten Premieren der Saison 2005/ 06 vor. Was wird andernorts gespielt? Wo lohnt es sich hinzufahren? Wie wird man in der so genannten Provinz Klassiker oder große Oper inszenieren? An welchem Haus würden wir alten Bekannten aus München begegnen?

Theater ist ein Wanderschafts-Beruf. Der Wechsel gehört dazu. Warum nicht auch einmal als Zuschauer auf Reisen gehen? Hier eine kleine Auswahl an Vorschlägen und Empfehlungen.

Intendanten beschnuppern

Warum in die Ferne schweifen, siehe, Augsburg liegt so nah: Was in München nicht auf den Opernspielplänen zu sehen ist, können sich die Liebhaber des Musiktheaters vielleicht in der Nachbarstadt zu Gemüte führen. Und sie haben zugleich dabei Gelegenheit, sich  ein  Urteil  über  die Arbeit des Intendanten Ulrich Peters zu bilden, der ab 2007 die Geschicke des Münchner Gärtnerplatztheater lenken wird. In Augsburg kämen also eine Puccini-"Tosca" (1. 10.) und eine "Maria Stuarda" von Donizetti (13. 11.) in Frage. Oder die noch seltener gespielten Opern "Axur, re d'ormus" von Salieri (13. 5.) sowie "La voix humaine" von Poulenc (25. 5.).

Bleiben wir noch in Bayern. In Bamberg zum Beispiel trifft man auf einen bekannten Namen: Dort inszeniert Markus Everding, Sohn des berühmten August, Brechts Volksstück "Herr Puntila und sein Knecht Matti" (1. 7.). Eine Art Entdeckung lässt sich in Fürth machen mit der Premiere von Siegfried Wagners Oper "Der Kobold" in der Regie von Peter P. Pachl (10. 11.). Wer lange keine "Dreigroschenoper" gesehen hat, kann dies im nahen Ingolstadt tun (1. 10.).

Lohnend ist immer auch ein Blick nach Landshut/Passau, auf dieses emsige bayerische Theater, das nicht zurückschreckt vor den größten Schinken: etwa vor Verdis "La traviata" (24. 9.), Händels "Amadigi di Gaula" (1. 4., Regie Countertenor Axel Köhler) oder "Francesca da Rimini" von Zandonai. Als Oper für Kinder - daran können sich die Münchner Häuser mal ein Beispiel nehmen - ist Mozarts "Bastien und Bastienne" vorgesehen (17. 12.). Das Schauspiel widmet sich Schiller und seiner "Jungfrau von Orleans" (23. 9.), und der Münchner Gerd Lohmeyer inszeniert Büchners "Woyzeck" (4. 3.).

Wer die Operette besonders liebt, dem sei ein Abstecher nach Regensburg gegönnt. Dort kommt Lehárs "Paganini" zur Aufführung (15. 10.). Auch das Musical "Les miserables" (22. 12.) dürfte über Regensburg hinaus Publikum interessieren. In Würzburg gelangt in der neuen Spielzeit eine Oper zur Aufführung, die unbegründet in letzter Zeit von den Spielplänen fast verschwunden war: "Die weiße Rose" von Udo Zimmermann in der Regie des Komponisten (8. 4.). Davor noch hat eine andere Rarität Premiere: die Pfitzner-Oper "Das Herz", inszeniert von Stephan Suschke, dem einstigen Mitstreiter Heiner Müllers (25. 3.).

Jenseits bayerischer Grenzen und dennoch nah: natürlich Stuttgart. Immer eine Opernreise wert. Zum Beispiel zur Strauss-"Elektra", von Peter Konwitschny in Szene gesetzt (27. 11.), oder zu Glucks "Alceste", inszeniert von Jossi Wieler (21. 6.).

Man wird auch ein Auge aufs Stuttgarter Schauspiel werfen dürfen, wo sich mit Beginn dieser Saison ein neuer Intendant präsentiert, Hasko Weber. Und natürlich tut er das mit Goethes "Faust I" (30. 9.). Danach viel Zeitgenössisches im Spielplan, u. a. eine Theaterfassung von Lars von Triers Film "Dogville" (1. 10.).

Interessant ist ebenso das Theater Innsbruck. Spielzeiteröffnung mit Wagners "Meistersingern" (25. 9.). Vormerken sollte man sich vielleicht auch Millöckers "Bettelstudent", den Dirigentensohn Philip Harnoncourt inszeniert (10. 12.); dazu unbedingt Strauss "Salome" in der Regie von Intendantin Brigitte Fassbaender (14. 1.) sowie Mozarts "Don Giovanni", den Peer Boysen inszeniert (13. 5.). Dass es in Innsbruck ein Ballett "Sissi - Kaiserliche Hoheit" geben wird, dürfte nicht allein die Freunde des Balletts interessieren (22. 10.).

Und womit locken die Erste-Klasse-Bühnen in ihre Stadt? Zürich zum Beispiel? Die Oper etwa mit Schostakowitschs "Katerina Ismailowa", die der Altmeister der Langsamkeit, Klaus Michael Grüber, realisiert (25. 9.) ebenso wie Janáceks "Sache Makropulos" (17. 6.). Und mit Mozarts "La finta giardiniera", bei der sich Tobias Moretti als Opernregisseur erprobt. Oder mit d'Alberts Schmachtfetzen "Tiefland", dem Matthias Hartmann inszeniert (1. 7.). Das ist praktisch; denn Hartmann ist seit dieser Spielzeit nebenan beim Schauspielhaus der neue Intendant. Da stellt er sich gleich zu Beginn mit einem Botho Strauß vor: der Uraufführung von "Nach der Liebe beginnt ihre Geschichte" (16. 9.).

Mit Theaterbesuchen lässt sich stets auch eine Reise nach Wien verbinden. Um sich etwa im Burgtheater Grillparzers "König Ottokar", die Salzburger Festspiel-Inszenierung, anzuschauen (15. 10.). Oder in der Staatsoper Schönbergs "Moses und Aron", von Willi Decker inszeniert (3. 6.). Der Regisseur der Salzburger Netrebko-"Traviata" bringt auch Mozarts "Idomeneo" heraus (27. 1.) - im Theater an der Wien, das im Mozart-Jahr ganz diesem Komponisten vorbehalten ist. Dort inszenieren auch Christof Loy "La clemenza di Tito" (26. 3.) und Patrice Chéreau "Così fan tutte" (3.6.). Dort gelangen außerdem zur Aufführung "Die Schuldigkeit des ersten Gebots" (12. 4., Regie Harnoncourt), "Die Zauberflöte" (13. 5.) und "Don Giovanni" (20. 6.).

"Die Zauberflöte" gibt es dann in Wien gleich zweimal: einmal von Regisseur Krystian Lupa, ein andermal, nämlich an der Volksoper, von Regisseur Helmuth Lohner (17. 12.).

Münchner in Berlin

Abschließend noch ein Blick nach Berlin. Drei Regisseure an drei Opernhäusern, wo es spektakulär werden könnte: An der Staatsoper Unter den Linden inszeniert Stefan Herheim (in Salzburg machte er die verrückte "Entführung") Verdis "Macht des Schicksals" (24. 9.); an der Deutschen Oper führt Katharina Wagner Regie bei Puccinis "Il trittico" (8. 1.); und die Komische Oper eröffnet die Saison mit einer Inszenierung von Puccinis "Butterfly", die der Katalane Calixto Bieito auf die Bretter legt (25. 9.). Gegen ihn ist Konwitschny geradezu ein zahmer Regisseur, der hier Mozarts "Così`" inszeniert (20. 11.).

Am Deutschen Theater in Berlin verdienen drei Neuproduktionen Vorab-Aufmerksamkeit: Shakespeares "Kaufmann von Venedig" mit dem Münchner Stefan Hunstein (Residenztheater) in der Titelrolle und Ulrich Matthes als Shylock, Regie führt die junge Tina Lanik (16. 9.); Goethes "Faust II", von Michael Thalheimer inszeniert (7. 10.); sowie Tschechows "Kirschgarten", den Barbara Frey mit Dagmar Manzel als Ranjewskaja herausbringt (März).

Und nicht zuletzt sollte man sich das Berliner Ensemble vormerken, wenn dort Robert Wilson demnächst "Ein Wintermärchen" von Shakespeares auf die Bühne malt (24. 9.).

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