Zum Entertainer geboren

- "Wieso gerade ich?" Diese Frage hat sich Gerhard Bronner in seinem Leben oft gestellt: Als ihm 1938 als 15-Jährigem die Flucht aus Wien nach Palästina gelang, während seine Familie dem Holocaust zum Opfer fiel. Als er auf dieser Flucht bei Rustschuk die Donau durchschwamm und überlebte, während sein bester Freund ertrank. Als er nur knapp einem Bombenabwurf auf Haifa entging, bei dem das Nachbarhaus getroffen wurde. Und auch, als er im "Gelobten Land" als gut bezahlter "musikalischer Leiter" einer englischen Soldatenshow entdeckt wurde.

<P>Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt arbeitete Bronner zuweilen zeitgleich für den russisch als auch den amerikanisch kontrollierten Hörfunk, wurde Orchesterleiter des Senders Rot-Weiß-Rot, spielte Klavier und sang und machte zusammen mit Peter Wehle, Helmut "Quasi" Qualtinger und Georg Kreisler in der "Marietta-Bar" Kabarett, von 1958 an auch im eigenen "Neuen Theater am Kärntnertor". Nebenbei war er zudem in Hamburg aktiv an den Anfängen des Fernsehens beteiligt. Bronner war es, der Ephraim Kishon entdeckte und übersetzte, und der trotz ihres Weltruhmes die Beatles verriss. Sein Leben und seinen großen Erfolg verdankt Gerhard Bronner seiner Musikalität, seinem Selbstvertrauen, seiner Ehrlichkeit, Spontaneität - und dem Glück.<BR><BR>Entertainer könne man nicht werden, so was müsse man sein, hat ihn als Kind sein Vater belehrt. Dass man es auch sein Leben lang bleibt, zeigt der 81-Jährige in seiner wunderbar tragikomischen Autobiografie, die den Namen seiner damals ersten Kabarettsendung im Österreichischen Fernsehen trägt: "Spiegel vorm Gesicht". Und Bronner beweist: Im Wahrheit sprechenden Kabarett liegen Ernst und Humor nicht weit voneinander entfernt.<BR></P><P>Gerhard Bronner: "Spiegel vorm Gesicht". <BR>DVA, München; 272 Seiten, 19,90 Euro.<BR><BR>Der Autor liest am 28. März um 11.30 Uhr im Foyer des Münchner Volkstheaters, Tel. 089/ 52 34 65 5.</P><P><BR> </P>

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