Entrückung des Festspiel-Giovannis

- "Herr, lehre doch mich, dass ein Ende mit mir haben muss, und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muss." Diese Zeilen sind im "Deutschen Requiem" von Johannes Brahms dem Bariton-Solo vorbehalten. Und es hatte in der Salzburger Felsenreitschule besonderen Reiz, dass diese Partie ausgerechnet von Thomas Hampson, dem derzeitigen Festspiel-Giovanni gesungen wurde.

<P>Hampson bot mit kernig-warmem, sonorem Timbre eine Mischung aus Entrückung, Angst und Erschütterung bei diesem sehr persönlichen Reflexionsmoment, der den dritten Teil des Requiems einleitet. Und es war auch der faszinierendste Moment in der gut 80-minütigen, romantisch-erlebnishaften Chorkantate.</P><P>Julia Varadys emphatische Arie</P><P>Neben Thomas Hampson sang Julia Varady emphatisch und eindringlich die Traurigkeit und Trost thematisierende Sopran-Arie mit weich geführter Mittellage, wobei sie in den Höhen manchmal etwas glanzlos blieb. Der Hauptteil der Auseinandersetzung mit der Todestragik, mit Vergänglichkeit und der Hoffnung auf Ewigkeit blieb mit den großen Chorsätzen der Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor vorbehalten, begleitet vom Radio-Symphonieorchester Wien unter Leitung von Dietrich Fischer-Dieskau.</P><P>Möglich, dass die Akustik der Felsenreitschule der Textverständlichkeit in den großen Chorpassagen abträglich war. Es fehlte jedoch im Sopran und Tenor an Kraft und Homogenität in der Höhe. Auch im Orchester waren Intonationsprobleme hörbar, insbesondere die Bläser fanden zum Teil nicht so ganz zusammen. Den Weg aus der Erschütterung bis zur tröstlichen Erhebung nahm Fischer-Dieskau weitgehend mit einem eher ruhigen, statisch wirkenden Dirigat.</P><P>Von den Chorsätzen am eindruckvollsten gelang der sechste des siebenteiligen Werkes ("Tod, wo ist dein Stachel?"), in dem passend zum Zwölf-Uhr-Geläut der Salzburger Kirchen die Vehemenz der erschallenden Posaune besungen wurde.</P>

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