Entspannung beim Jazz

- Arabella Steinbacher - das klingt nach Strauss und München. Stimmt. Aber lächelnd fügt die junge Dame hinzu: "Eigentlich bin ich halbe Japanerin, doch man sieht es nicht." Ihre Mama kommt aus Japan, studierte in München Gesang und heiratete Alexander Steinbacher, Solorepetitor der Bayerischen Staatsoper und später Professor an der Musikhochschule. Kein Wunder also, dass auch die Tochter einen musikalischen Weg einschlug. Nächstes Ziel: Soloabend - heute 20 Uhr, Münchner Herkulessaal.

<P>Die dritte Hand</P><P>Schon als Dreijährige marschierte Arabella zum Geigenunterricht nach der Suzuki-Methode. "Der Lehrer wohnte in der Nachbarschaft, und meine Mutter freute sich, wenn ich beschäftigt war. Ich bin ein äußerst lebhaftes Kind gewesen." Steinbacher, die das Geigenspiel als kindliches Spiel begann, wurde nie zu stundenlangem Üben verurteilt und übt auch jetzt nicht mehr als drei bis vier Stunden pro Tag. "Aber effektiv." Heute weiß die 22-jährige, dass es enorm wichtig ist, früh anzufangen und "in diese ungemütliche Haltung hinein zu wachsen, solange man noch weich und biegsam ist". Damit sie es bleibt, treibt sie Sport und versucht, sich mit gezielter Atemtechnik zu entspannen. Denn vor jedem Auftritt - und pro Jahr steht sie 35 bis 40 Mal auf dem Podium - kribbelt doch das Lampenfieber. "Aber es gehört dazu, nur dann kann ich alles geben."</P><P>Als die neunjährige Arabella Steinbacher zum ersten Mal in der Musikhochschule vorspielen musste, war das noch anders: "Meine Eltern hatten mir Rollschuhe versprochen, und ich sah immer nur den glatten Marmorboden dort und dachte, wie schön ich darauf fahren könnte." Sie überzeugte dennoch beim Vorspiel und durfte als erste so junge Schülerin zu Ana Chumachenko, bei der sie im vergangenen Sommer als Meisterschülerin ihr Studium abschloss. "Ich kann sie auch jetzt noch immer fragen; sie ist meine Geigenmami", bekennt die liebenswürdige junge Musikerin, die sich eher auf stille Weise Gehör verschafft hat.</P><P>Zum Beispiel bei den großen Kollegen Gidon Kremer, der sie zu seinem Festival nach Lockenhaus einlud, und bei Anne Sophie Mutter, die sie als Stipendiatin fördert. "Das ist eine tolle Sache. Ab und zu werde ich eingeladen, Frau Mutter vorzuspielen, und sie gibt mir hernach Tipps und hilft weiter. Jetzt finanziert mir die Stiftung einen Bogen, der eigens für mich angefertigt wurde und reagiert wie eine dritte Hand."</P><P>Neben ihren Auftritten in Deutschland, Österreich und Slowenien - die Konzertdirektion Hörtnagel nahm die Geigerin früh unter die Fittiche - hat Steinbacher auch schon ihr Japan-Debüt absolviert. Im Herbst 2001 wurde sie im mütterlichen Heimatland, das sie von Besuchen bei den Großeltern her kennt, dessen Sprache sie spricht und dessen "Kinderschrift" sie beherrscht, mächtig gefeiert. Und das ganz ohne Lokalpatriotismus, denn im Programm gab's keinen Hinweis auf die halb-japanischen Wurzeln. Schon jetzt freut sich die Musikerin auf ihre kommenden Auftritte im Ausland. Obwohl sie weiß, dass das Solistenleben auch sehr einsam sein kann, genießt sie es, sich die fremden Städte anzuschauen und schwärmt vom warmen Monte Carlo, wo sie gerade gastiert hat.</P><P>Die großen klassisch-romantischen Violinkonzerte hat Arabella Steinbacher natürlich "drauf". Auch ihre erste CD mit dem Violinkonzert von Khatchaturian ist schon in Sicht (Orfeo, Frühjahr 2004). Wenn Arabella Steinbacher zuhause in München ist, dann trifft sie sich gern mit Freunden, geht ins Kino und hört keineswegs nur Klassik. "Schon meine Lehrerin schickte mich in die Disco. Aber das ist mir zu laut. Jazz dagegen entspannt mich sehr."<BR></P>

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