Enzensbergers ungewöhnlicher Stil

Berlin - Kein Roman, keine reine Doku, dafür ein bisschen Totengespräch und Glossen: Der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger (78) hat am Dienstagabend in der Berliner Suhrkamp-Vertretung sein neues Buch "Hammerstein oder Der Eigensinn" vorgestellt.

Enzensberger erzählt in freier Form die Geschichte des preußischen Generals Kurt von Hammerstein, der als Chef der Reichswehr seinen Abschied nahm, nachdem Hitler Anfang 1933 seine Weltkriegspläne in einer Geheimrede vor den Militärs offengelegt hatte. Enzensberger verteidigte bei der Buchvorstellung den ungewöhnlichen Stil seines Buches, das weder ein Roman noch reine Dokumentation sei.

"Hammerstein hat alle geschriebenen und ungeschriebenen Regeln verletzt und Regeln und Spielregeln gibt es auch in der Literatur, aber es gibt immer mehr Autoren, die nicht bereit sind, sich einem solchen Regelsystem zu unterwerfen", sagte Enzensberger in Berlin. Für sich könne er nach dem Erscheinen des Buches und dem bisherigen Echo sagen: "Es ist gut gegangen, zu meiner eigenen Überraschung."

Die Absage an den Roman bedeute nicht, dass diese Arbeit wissenschaftliche Ansprüche erhebt, schreibt Enzensberger im Nachwort seines Buches. "Das, was ich durch schriftliche und mündliche Quellen belegen konnte, wollte ich von meinen subjektiven Urteilen trennen, die hier in Gestalt von Glossen erscheinen. Ergänzend habe ich mich der ehrwürdigen literarischen Form des Totengesprächs bedient." Zu den Gästen der Buchvorstellung gehörten unter anderem auch die Schriftsteller Volker Braun und Christoph Hein, der CDU-Politiker Heiner Geißler und der Berliner Kulturstaatssekretär André Schmitz.

dpa

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