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Gehegt, gepflegt, geliebt: Tom Hanks in dem Dokumentarfilm „California Typewriters“, in dem Künstler zu Wort kommen, die noch mit der Schreibmaschine arbeiten. Hanks besitzt selbst mehr als 150 Modelle – und hat auf einem davon gerade sein erstes Buch geschrieben.

Tom Hanks‘ literarisches Debüt:

Er tippt ganz richtig

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Tom Hanks’ literarisches Debüt „Schräge Typen“ ist eine Liebeserklärung an die Schreibmaschine und das Leben selbst

Man hört ihn förmlich auf die Typen hämmern. Tock-tock-tock-tock-tock. Immer fünfmal auf eine Taste, dann etwas Öl ins innere Hebelwerk getröpfelt und von Neuem: tock-tock-tock-tock-tock. Tom Hanks bei einer seiner liebsten Freizeitbeschäftigungen – alte Schreibmaschinen pflegen. Eine von den über 150 Coronas, Remingtons und Royals, die bei ihm herumstehen. Gehegt, gepflegt, geliebt.

Ja, der US-amerikanische Schauspieler hat sich trotz zwei Oscars, vier Golden Globes und irren Erfolgen von „E-m@il für dich“ über „Forrest Gump“ bis „Illuminati“ erlaubt, im Hollywood-Zirkus ein herrlich normaler Kerl zu bleiben. Mit liebenswerten Schrullen. Da wird dann schon mal von ihm zusammen mit einer US-Firma eine App entwickelt, die jedes Tippen auf i-Phone oder i-Pad mit dem Geräusch einer Schreibmaschine unterlegt. „Hanxwriter“ ist kostenlos, für ein paar Euros extra gibt’s die Möglichkeit, zu einem anderen Modell zu wechseln. Denn erfahrene Sammler wissen natürlich, dass keine Maschine wie die andere klingt. Eh klar.

Wenn also Tom Hanks mit 61 Jahren nun sein literarisches Debüt mit „Schräge Typen“ überschreibt, ist das ein sympathisch selbstreflektierter Hinweis auf seine eigene Lust daran, ein bisschen aus der Zeit zu fallen. 15 Kurzgeschichten – oder: 15 Oden an die Schreibmaschine – hat er aufs Papier gebracht. Zwei Jahre lang tock-tock-tock-tock-tockte er, wann immer es ging, von morgens um neun bis mittags um eins.

Ein Plädoyer fürs Schräg-Sein

Er beherrscht nicht nur die Klaviatur der Schreibmaschinen-Tasten, er beherrscht auch die der Gefühle, der Stimmungen, der Wörter. Der Schauspieler Hanks kann mit einem Blick den Schmerz eines Soldaten und das Glück eines Frischverliebten heraufbeschwören. Dem Schriftsteller Hanks gelingt genau das durch wenige Sätze. Der tintenrote Faden, der sich durch alle Geschichten zieht, mag die mal sanfter, mal deutlicher formulierte Liebeserklärung an die alten Schreibgeräte sein. In Wahrheit aber ist es Hanks’ Liebe zum Leben selbst. Und all die schrägen Typen darin, die von der Raumfahrt träumen und ihre eigene Mondkapsel zimmern; die morgens vor der Arbeit mit dem Surfbrett die Wellen reiten; die sich für die Angebetete in Sportlerkleidung zum Affen machen. Wir spüren mit ihnen die Enge des Raumschiffs, schmecken das Salz des Meerwassers, hören das Quietschen der Turnschuhe.

Und sehen Tom Hanks, wie er all das in die Tasten haut, Blatt für Blatt für Blatt. Wie flink er das macht, ist in einem Werbevideo auf der Homepage des Piper-Verlags zu bestaunen. Oder im leider noch nicht auf Deutsch erschienenen Dokumentarfilm „California Typewriters“ – der von prominenten Künstlern erzählt, die sich gegen das wehren, was der Rest der Welt als Fortschritt feiert. Hanks, John Mayer, Sam Shepard, David Gaub McCullough. Schreibmaschinen-Liebhaber, viel belächelte Nostalgiker, fröhliche Aus-der-Reihe-Tänzer. Welch ein Glück.

Tom Hanks:

„Schräge Typen“.
Piper München,
345 Seiten; 22 Euro.

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