Erde, Liebe und Licht

- Ich liebe dich. Diese Botschaft soll München und den ganzen Erdkreis erfassen. Dafür sollen alle immer wieder, überall und vor allem vom Haus der Kunst aus mit Lampen sechs Mal ihren Mitmenschen ins Gesicht morsen. Ziel ist es, die Welt zu verändern: Weg zu gehen von der harten Realität, hin zu einem Traum vom besseren Leben, hin zu "Utopia Station".

<P>Dieses groß angelegte, interdisziplinäre Kunstprojekt, das nun - nach Venedig - in München Halt macht, hat seinen prominenten Auftakt am Freitag mit Yoko Ono genommen. Ob die agile, charismatische Witwe von John Lennon dem Projekt die richtige Note gab, bleibt allerdings abzuwarten. Wenn in den nächsten Wochen nicht mehr kommt als derlei Liebesgeflüster, dann ist "Utopia Station" eine schöne Erinnerungen an die Flower-Power-Zeit der 60er- und 70er-Jahre, die man nur einer wie Yoko Ono abnimmt. Aber sie ist kein Beitrag zur kreativen Meinungsbildung des 21. Jahrhunderts.<BR><BR>Der Ansatz von Chris Dercon im Haus der Kunst ist grundsätzlich ein frecher und zukunftsweisender: Er möchte die bürokratischen Strukturen ebenso auflösen wie den institutionalisierten, traditionellen Kunstbetrieb. Wenn ab 7. Oktober an vier Wochenenden bekannte Künstler Ausstellungen, Performances, Konzerte und Theater gestalten, dann hofft man auf eine belebende Wirkung - insbesondere, weil unzählige Häuser und Partner diesen erfrischenden "Eisbach" (Dercon) zum sprudeln bringen. War dann aber der lauwarme Aufguss der Hippie-Ära nötig?<BR><BR>Yoko Onos Ansatz an sich ist löblich: "Jeder ist heute angesichts der Weltsituation ängstlich, konfus und zornig. Darum ist es jetzt wichtig, dass wir alle die Erde mit Liebe und Licht bedecken." Dafür hat sie ihren simplen "Onochord"-Code erfunden, der gegen emotionale Verstockung und Erfrierungen anfunkt und der Welt vermittelt, wie "wunderbar" jeder Einzelne ist. Soweit hat sich seit 1969, als Yoko Ono John Lennon heiratete und Friedensdemonstrationen im Bett abhielt, nichts geändert.<BR><BR>Beachtenswert ist allerdings die Überlegung, dass die individuell zersplitterte "Friedensindustrie" der zielstrebigen "Kriegsindustrie" nur unter einem gemeinsamen Banner Paroli bieten kann. Ob aber das Verteilen der kleinen Taschenlampen die Macht des Einzelnen und der friedfertigen Masse unterstützt? Allenfalls freut sich da doch der vom Kanzler gerügte Mitnahme-Mensch über das Souvenir und vergisst einen wichtigen Aspekt:<BR><BR>"Utopia Station sind wir alle. Wir sind alle ihre Bewohner. Wir müssen daran teilhaben. Das ist die künstlerische Arbeit." Konsequenterweise versteht sich Yoko Ono selbst nicht als Künstlerin. Insofern ist sie vielleicht doch das richtige Vorbild für die folgenden Aktionen im Haus der Kunst, wo schließlich das gesellschaftliche Anliegen im Mittelpunkt stehen soll.<BR></P><P> </P><P> </P>

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