Erfolg nach sieben Minuten

- In Jubelarien wollten die Regensburger nicht ausbrechen, auch wenn die Stadt das Rathaus schon nach kürzester Zeit mit einem Transparent "Regensburg - Unesco - Welterbe" schmückte. Oberbürgermeister Hans Schaidinger (CSU) gab unumwunden zu, dass er in den vergangenen Wochen wegen der Bewerbung der Stadt bei der Unesco innerlich "eher pessimistisch" gewesen sei.

"Das hätte auch schief gehen können", meinte er. Denn die Organisation ist inzwischen sehr streng bei der Aufnahme neuer historischer Stätten in ihre Liste.

Probleme mit der "Steinernen Brücke"

Tatsächlich hatten die Regensburger noch in den vergangenen Tagen den Delegierten bei der Weltkulturerbe-Konferenz in Litauens Hauptstadt Vilnius Unterlagen nachgereicht. Letztlich ging es für die Stadt dann doch relativ glatt. Die Denkmalschützer aus allen Teilen der Welt hatten keine Bedenken, stimmten am Donnerstag in nur sieben Minuten für Regensburg und ernannten die Stadt so zur 32. deutschen Welterbestätte.

Für die Oberpfälzer endete damit ein rund 20 Jahre dauernder Kampf um die begehrte, steigende Touristenzahlen versprechende Auszeichnung mit einem "Happy End". Nach ersten Bemühungen Mitte der 80er-Jahre und einem langen Weg durch die deutsche und internationale Kulturbürokratie hatte Regensburg schließlich vor zwei Jahren die in Deutsch und Englisch abgefasste Bewerbung mit 3000 Seiten Umfang vorgelegt.

Zuletzt allerdings musste die Stadt nochmals bangen, 2006 überhaupt als offizieller Beitrag der Bundesrepublik der Unesco vorgeschlagen zu werden. Denn 2005 hatte Heidelberg gepatzt und war zurückgestellt worden. Eigentlich wollte die Neckarstadt dieses Jahr wieder an den Start gehen. Dann hätte der Konkurrent von der Donau zurückstehen müssen, da Deutschland keine zwei Kandidaten ins Rennen schicken darf. Im November entschieden sich aber Denkmalpfleger aus allen Bundesländern gegen Heidelberg.

Im Unterschied zu Einzeldenkmälern wie der Wartburg in Eisenach erhielt im Fall von Regensburg das Altstadt-Ensemble als Ganzes den Titel. Allerdings hat auch Regensburg herausragende Einzelbauten zu bieten. Neben dem gotischen Dom St. Peter ist dies insbesondere die im zwölften Jahrhundert errichtete Steinerne Brücke, damals der einzige Donauübergang zwischen Ulm und Wien.

Doch die "Steinerne" könnte auch bald zur ersten Bewährungsprobe für die junge Weltkulturerbe-Stätte werden: Das Denkmal ist in einem erbärmlichen Zustand und muss dringend saniert werden. Da die Brücke allerdings bis heute als Buszubringer für den Ortsteil Stadtamhof dient, gibt es heftige Diskussionen über eine Totalsperrung, obwohl die schweren Busse die Fundamente der Brücke ruinieren.

Eine in Erwägung gezogene Ersatzbrücke über die Donau hatte die deutsche Unesco-Kommission 2005 abgelehnt: "Das historische Flusspanorama würde dadurch erheblich beeinträchtigt." Zudem hat das Gremium in den vergangenen Jahren bereits zweimal bei deutschen Welterbestätten klar gemacht, dass mit Neubauten sorgfältig umgegangen werden muss. Sowohl der Kölner Dom als auch das Dresdner Elbtal landeten wegen problematischer Bauprojekte auf der "Roten Liste" der gefährdeten Denkmäler. Köln konnte sich nur mit erheblich abgespeckten Plänen rehabilitieren.

Rathauschef Schaidinger geht dennoch davon aus, dass das Brückenproblem zur Zufriedenheit der Unesco gelöst werden wird. Neubauten seien auch in einer Welterbestadt möglich, Veränderungen werde es immer geben, glaubt der bayerische Städtetagschef. "Welterbe heißt nicht: Käseglocke drüber und Schluss."

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