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Heinz Bennent (Archivbild von 1977) starb am Mittwochmorgen im Alter von 90 Jahren in Lausanne.

Heinz Bennent: Der erfolgreiche Außenseiter

Lausanne - Er arbeitete mit Regisseuren wie Ingmar Bergman, Klaus Michael Grüber, Volker Schlöndorff und Dieter Dorn – und blieb doch immer bescheiden. Im Alter von 90 Jahren ist der Schauspieler Heinz Bennent jetzt in der Schweiz gestorben.

Besonders eindringlich spielte er Außenseiter, Einsame und Sonderlinge: Heinz Bennent war zeitlebens auf das Charakterfach abonniert. Mit seinen mehr als 150 Rollen für Theater, Film und Fernsehen wurde der international gefeierte Darsteller zum großen Künstler – doch als Star galt er nie. Am Mittwoch ist Bennent im Alter von 90 Jahren in Lausanne gestorben, wie das Berliner Renaissance Theater unter Berufung auf seine Familie mitteilte.

Einen seiner größten Erfolge hatte Bennent in François Truffauts Meisterwerk „Die letzte Metro“ (1980) gefeiert als ein von den Nazis verfolgter jüdischen Theaterdirektor in Paris. Weitere wichtige Filme waren „Das Schlangenei“ (1977) von Ingmar Bergman, „Im Jahr der Schildkröte“ (1988) von Ute Wieland und „Kalt ist der Abendhauch“ (2000) von Rainer Kaufmann.

Besonders eindrücklich in Erinnerung sind aber auch die gemeinsamen Auftritte mit seinen ebenfalls schauspielernden Kindern Anne und David Bennent. Mit dem 1966 geborenen Sohn stand er schon in Volker Schlöndorffs Verfilmung von Günter Grass’ „Blechtrommel“ (1978) vor der Kamera: Vater Heinz als der seltsam schwule Gemüsehändler Greff und Sohn David als kleinwüchsiger Trommler Oskar Matzerath. Ein Triumph wurde schließlich die Lausanner Inszenierung von Samuel Becketts „Endspiel“ (1995) mit dem Sohn als Partner. Die Produktion tourte durch ganz Europa und war unter anderem auch im Münchner Residenztheater zu sehen.

Trotz der zahlreichen Film- und Fernsehrollen blieb die Theaterarbeit für den gebürtigen Nordrhein-Westfalen das Lebenselixier. „Auf der Bühne habe ich alles in der Hand. Dort bestimme ich den Rhythmus“, sagte er einmal. Er trat an vielen namhaften Theatern von Basel über München bis Hamburg auf, ohne sich auf Dauer zu etablieren. Zu seinen größten Bühnenerfolgen zählten Schillers „Don Carlos“ oder Per Olov Enquists „Aus dem Leben der Regenwürmer“ in einer Inszenierung von Ingmar Bergman.

Auch Münchens Theatergänger kamen oft in den Genuss seiner so eigenwilligen Kunst. An den Kammerspielen war Heinz Bennent in den ersten Vorstellungsserien der Narr in Dieter Dorns legendärer Inszenierung des „König Lear“ mit Rolf Boysen in der Titelrolle (1992). Vier Jahre zuvor bannte er die Besucher als Schauspieler Karl Joseph in der Uraufführung von Botho Strauß’ „Besucher“.

„Von Aischylos bis Beckett habe ich die Weltliteratur gespielt“, bilanzierte Heinz Bennent einmal. Zuletzt ging er mit einer Lesung von Friedrich Hölderlins Briefroman „Hyperion“ auf Europatour. „An Hölderlin kann man ein Leben lang arbeiten, bis man das Wesentliche trifft. Für mich sind große Texte und große Autoren eine Beglückung.“ Dabei war Bennent die Schauspielerei nicht in die Wiege gelegt. 1921 als sechstes Kind eines Buchhalters in der Nähe von Aachen geboren, fing er zunächst eine Schlosserlehre an. Aus der Hitlerjugend wurde er „wegen mangelnden Gehorsams“ ausgeschlossen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg begann er in Göttingen, mit Schauspielunterricht bei Karl Meixner den Grundstein für eine Karriere zu legen.

Ein Kritiker schrieb einmal: „Heinz Bennent spielt von unten nach oben, von innen nach außen. Die Figuren, die er verkörpert, haben auf wehtuende Weise Manieren und Contenance. Sie benehmen sich tadellos, aber es sind Wölfe, auf deren Schafspelz allein Verlass ist.“ Seit Jahren lebte Bennent mit seiner Frau Diane abwechselnd in Lausanne und auf einem nahegelegenen Bergbauernhof. Dort, in der Schweiz, abseits des großen Bühnen- und Filmtrubels, ist er am frühen Mittwochmorgen „friedlich eingeschlafen“, wie das Berliner Renaissance Theater mitteilte.

Seine Kollegin Gisela Stein, die im Mai 2009 starb, charakterisierte Bennent einmal folgendermaßen: „Seine präsente Bühnen-Erotik ist faszinierend“, schrieb sie im Buch „Die Münchner Kammerspiele“ von Sabine Dultz, der langjährigen Feuilleton-Chefin unserer Zeitung. „Seine für mich kreativen Störungen und seine absolute Rücksichtslosigkeit, allem und jedem gegenüber, machen ihn als Mitspieler zum Ärgernis. Für mich zum positiven Ärgernis. Er setzt einfach voraus, dass man ihm folgt, wenn er auf seiner Klaviatur grenzenlos spielt. Ich war immer erstaunt, wohin mich die Reise gebracht hat.“

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