Erfrischend

- Ungewöhnlich hoch war die Stufe, die Zubin Mehta zu Beginn des Akademiekonzerts im Nationaltheater auf sein Dirigentenpodium nehmen musste. Doch es schien für ihn an diesem Abend die einzige außerplanmäßige Kraftanstrengung zu sein. Nach Mahlers dritter Symphonie in der letzen Spielzeit, die auch während der Europatournee aufgeführt wurde, galt jetzt die Aufmerksamkeit Mahlers Siebter.

Mehta und sein Staatsorchester präsentierten das Mammutwerk mit großer Spielfreude. Allerdings nutzten die Musiker die langsame Einleitung, um zueinander zu finden - abgesehen davon, dass die Partitur thematisch einige schroffe Passagen vorgibt. Eindrucksvoll jedoch gelangen im Verlauf des Satzes die Schattierungen der unterschiedlichen rhythmischen und dynamischen Abschnitte. Ausgesprochen intensiv der Beginn des zweiten Satzes mit den dialogisierenden Horn-Rufen. Diese "Nachtmusik I" mutete warm und beschwingt an, heiter klang auch das Herdenglockengeläut. Dennoch kam Mahlers bizarre Klangwelt gut zur Geltung. Faszinierend sanft war der Schluss von den Becken hingetupft. Subtil geriet das Scherzo in einer Mischung aus Walzerspuk und groteskem Schattentanz.<BR><BR>Die "Nachtmusik II" ist reizvoll durch ihren Serenadencharakter. Eingeleitet durch den expressiven Beginn der Solo-Violine, liegt die besondere Wirkung in der Klangfarbenkombination von Harfe, Mandoline, Gitarre und Solovioline. Effektvoll geriet das wuchtige Rondo-Finale mit etwas scharfkantigem Blech, obwohl Vorsorge getroffen war, indem die vorletzte Deckenabhängung der Guckkastenbühne offen blieb. Mehta präsentierte hier mit einem gut disponierten Orchester eine insgesamt transparente Siebte, deren dunkle Momente durchaus gegenwärtig waren, deren positiv-erfrischende Aspekte jedoch dominierten.<BR>

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