"Erfrischend und originell" - Brigitte Fassbaender über ihre künftige Aufgabe als künstlerische Leiterin

München - "Ich finde das ganz logisch", sagt Brigitte Fassbaender lapidar im Gespräch mit unserer Zeitung. "Erfrischend und originell." Und hat damit durchaus Recht: Für eine Künstlerin, die als Jahrhundert-Besetzung für den Oktavian im "Rosenkavalier" gilt, die Strauss-Lieder auf so unnachahmliche Weise interpretiert hat und die überdies als Vorsitzende der Richard-Strauss-Gesellschaft amtiert, kommt dieser Schritt nicht überraschend.

Ab 2009 wird die Intendantin und Mezzosopranistin also das Richard-Strauss-Festival in Garmisch-Partenkirchen übernehmen (wir berichteten). "Für mich ist das relativ überraschend gekommen", gibt Brigitte Fassbaender zu. "Aber ich freue mich, dass ich mich mit einem Komponisten, der mein Leben derart maßgeblich geprägt hat, auf so intensive Weise weiterbeschäftigen kann." Brigitte Fassbaenders Garmischer Arbeitsplatz ist nicht weit von ihrer eigentlichen Wirkungsstätte entfernt. Als Intendantin des Tiroler Landestheaters hat sie inzwischen ihren Vertrag zum dritten Mal verlängert. Bis 2012 ist sie Chefin in Innsbruck, so lange gilt ­ vorerst ­ auch ihre Garmisch-Partenkirchener Vereinbarung.

Inhaltlich lässt sich Brigitte Fassbaender noch nicht viel entlocken. Nur so viel: Koproduktionen mit ihrem Innsbrucker Haus werde es nicht geben. Und auch künftig werde sich das Garmischer Festival nicht ausschließlich Strauss widmen. "Ein gewisser Vorlauf muss mir schon zugebilligt werden, ich werde das Festival und sein Umfeld zunächst genau unter die Lupe nehmen."

Brigitte Fassbaender geht davon aus, dass sie pro Spielzeit dasselbe Budget wie das kommende Festival, also jeweils 320 000 Euro zur Verfügung haben wird. Um eben jenen Betrag hat es zuletzt Unstimmigkeiten gegeben, die zur Trennung vom derzeitigen Festivalchef Bernd Gellermann geführt haben. Der Gemeinderat hatte ihm die Mittel von 380 000 auf 320 000 Euro gekürzt, was Gellermann nicht akzeptieren mochte.

Der frühere Intendant der Münchner Philharmoniker betreut mit seiner Agentur Polyarte die Festspiele. Von einer solchen Konstruktion will Garmisch-Partenkirchen nun Abstand nehmen. "Es soll keine Agentur mehr dazwischen geschaltet werden", erläutert Brigitte Fassbaender. Der Ort werde vielmehr "ein eigenes kommunales Kulturmanagement etablieren". Die Trennung von Gellermann, der "hervorragende Arbeit leistet", wollte sie nicht kommentieren. "Jeder, der geht, sucht seine Gründe. Ein paar Dinge passen da einfach nicht zusammen."

Neues Kulturkonzept für die Gemeinde

Da die Kosten für eine Veranstaltungsagentur wegfallen, rechnet die Gemeinde mit größeren Einsparungen. Zudem wird ab 2009 der zweiwöchige Aufenthalt des Jugendorchesters der Europäischen Gemeinschaft gestrichen.

Wie der Leiter des Richard-Strauss-Instituts, Christian Wolf, mitteilte, soll das kulturelle Angebot in Garmisch-Partenkirchen künftig besser koordiniert werden. Dazu zähle nicht nur der neue Kulturmanager, sondern ein anderes künstlerisches Konzept, das unter anderem den Ausstellungsbereich von Richard Strauss über Michael Ende bis zu Krippen und Porzellansammlungen sowie außerdem die Veranstaltungen in den Nachbargemeinden wie Oberammergau miteinbezieht. Darüber hinaus wird sogar an ein "Wintersportmuseum" gedacht. Das Festival zu Ehren des Komponisten wurde vor 19 Jahren unter dem damaligen Titel "Richard-Strauss-Tage" ins Leben gerufen. Bevor Bernd Gellermann 2006 an die Spitze rückte, stand es unter der Leitung von Manfred Frei. Neben den traditionellen Konzerten wurden mehrfach auch Opernproduktionen geboten, darunter eine "Salome" im Passionstheater von Oberammergau und eine halbszenische "Daphne" im Eisstadion von Garmisch-Partenkirchen ­ Projekte, die naturgemäß enorme Summen verschlangen.

Im kommenden Jahr findet das Richard-Strauss-Festival vom 31. Mai bis zum 6. Juni statt und stellt Strauss seinem Kollegen Richard Wagner gegenüber. Auf dem Programm stehen unter anderem Gastspiele des BR-Symphonieorchesters, ein Opernabend mit einem konzertanten ersten "Walküre"-Akt und ein Meisterkurs mit der Mezzosopranistin Marjana Lipov(s)ek. Letzteres ist in der Marktgemeinde eine sehr geschätzte Tradition: Zu Zeiten von Manfred Freis Festivalleitung hatte auch Brigitte Fasssbaender den Sängernachwuchs unterrichtet ­ es war ihr bislang einziger künstlerischer Kontakt zu Garmisch-Partenkirchen.

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