Erfrischende Musik: Nagano dirigierte Prokofjew und Ravel

- Schon der Blick ins Programmheft erregte Bewunderung: Kent Nagano und das Deutsche Symphonieorchester Berlin wagten es, in München ein reines Prokofjew-/Ravel-Programm zu spielen - und prompt verließen nach den ersten Teilen der "Romeo und Julia"-Suite op. 64a von Prokofjew etliche Leute den Saal. Scheinbar ist das "Traditionsbewusstsein" hier so ausgeprägt, dass man nicht einmal dieser milden, aber ungemein erfrischenden Musik Aufmerksamkeit schenken will. Die Hauptangst ist unbegründet: Prokofjew ist nicht atonal, und das Trommelfell macht er auch nicht kaputt.

<P>Nagano kombinierte die erste mit der zweiten "Romeo und Julia"-Suite und füllte damit die erste Konzerthälfte. Alles wurde maßvoll gestaltet; was wuchtig sein sollte - etwa die bekannte "Montagues und Capulets"-Szene -, das klang auch wuchtig, ohne gleich plump und platt zu wirken; die ruhigeren Abschnitte dagegen ("Romeo und Julia vor der Trennung") gelangen spannend und klangschön.<BR><BR>Nach der Pause wurde dann zusammen mit Arcadi Volodos Prokofjews zweites Klavierkonzert op. 16 in Angriff genommen. Dieses Stück kann man ja so gut wie nie live hören, obwohl es eines der originellsten und aufregendsten Werke Prokofjews ist. Andererseits können die formale Unausgewogenheit (vier bewegte Sätze; kein langsamer Satz) und die immensen technischen Probleme ziemlich abschreckend auf Interpret und Hörer wirken. </P><P>Wie dem auch sei: Mit Volodos wurde dem Deutschen Symphonieorchester ein äußerst mutiger und fähiger Pianist zur Seite gestellt, der sich im expressiven Umfeld von "Legendenton" und Sarkasmus recht gut zu bewegen weiß und im Detail, etwa den melodischen Abzweigungen des zweiten Themas des Finales, einiges Erhellende bieten kann. Bravos und eine Zugabe. </P><P>Meisterhaft der "Boléro" von Maurice Ravel. Nagano bewies hier eisernes Rhythmusgefühl, ein feines Ohr und lenkte das Orchester zu einem punktgenau am Schluss platzierten dynamischen Maximum. Ovationen.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Desperate Housewives am Volkstheater
Pınar Karabulut inszenierte am Münchner Volkstheater die Uraufführung von Charlotte Roos’ „In den Straßen keine Blumen“, ein Best-of von Federico García Lorca. Lesen Sie …
Desperate Housewives am Volkstheater
Das Merkur-Konzertabo für unsere Leser
Die Jubiläums-Saison hat es in sich: Zum zehnten Mal bietet der Münchner Merkur mit dem BR-Symphonieorchester ein Konzert-Abonnement an.
Das Merkur-Konzertabo für unsere Leser
Sunrise Avenue sorgen für Pop-Rock-Party auf dem Königsplatz und machen Fans selig
Am Freitagabend wurde Münchens Innenstadt mit hörbarer Spielfreude auf die finnische Art beschallt - denn die nordische Band Sunrise Avenue brachte den Königsplatz zum …
Sunrise Avenue sorgen für Pop-Rock-Party auf dem Königsplatz und machen Fans selig
David Lynch – Hollywoods Rätselhaftester
Die Münchner Galerie Karl Pfefferle zeigt Lithografien und Holzschnitte des Künstlers und Filmemachers David Lynch (“Twin Peaks“). Wir haben die Ausstellung im …
David Lynch – Hollywoods Rätselhaftester

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.