Erfurter Dramen

- "Wenn so etwas in der Stadt passiert, muss man sich entscheiden", sagt Alexander Schmidt (38). Die Rede ist von dem Massaker am Erfurter Gutenberg-Gymnasium vor zwei Jahren. Er selbst - gebürtiger Erfurter - hatte sich entschieden: Zum ersten Jahrestag des Gedenkens an die Opfer hat er ein Stück geschrieben und an Ort und Stelle aufgeführt - "Das Bild des Monsters". Szenen, die die ungeheuerliche Tat von Erfurt aus der Sicht der Erwachsenen behandeln.

<P>Jetzt hat Alexander Schmidt zu dieser Thematik ein weiteres Drama verfasst, allerdings aus der Sicht Jugendlicher. "Level 13", so der Titel, wird morgen im Münchner Prinzregententheater mit dem Jugend-Dramatiker-Preis der Stadtsparkasse München ausgezeichnet. </P><P>Aus 135 Einsendungen wurde von einer Fachjury sein Stück als das beste ausgewählt. Es ist dies eine der höchsten Auszeichnungen im deutschen Kinder- und Jugendtheater-Bereich. Der Preis ist mit 14 000 Euro dotiert; 8000 erhält der Wettbewerbssieger, 6000 stehen als Produktionszuschuss jener Münchner Bühne zur Verfügung, die sich zur Uraufführung entschließen sollte.<BR><BR>Alexander Schmidt stammt zwar aus einer alten Leipziger und Erfurter Sänger- und Schauspielerfamilie. Er selbst aber hat beruflich ein anderes Fach, die Ökonomie, gewählt. Als Geschäftsführer des Deutschen Nationaltheaters Weimar sorgt er derzeit für die optimale Realisierung des so gerühmten wie umstrittenen Reformmodells seines Intendanten Stephan Märki.<BR><BR>Was den Wirtschaftler zum Schreiben fürs Jugendtheater gebracht hat, war die Tatsache, dass in seiner Heimatstadt Erfurt das Schauspiel eliminiert wurde: "Da haben wir uns zusammengeschlossen und das ,Neue Schauspiel Erfurt gegründet, zu dem ich auch jetzt noch gehöre. Das Programm ist ausgerichtet auf ein junges Publikum, weil es für Jugendliche kein kulturelles Angebot mehr in der Stadt gibt."<BR><BR>Umso mehr erfreut ihn jetzt der Dramatiker-Preis der Stadtsparkasse. Anfragen von Theatern gibt es reichlich. Ob sich eine Münchner Bühne zur Uraufführung entscheidet, ist aber noch ungewiss. Die Geschichte, die szenisch verhandelt wird - die Verwechslung von Wirklichkeit mit der Realität des Computerspiels "Level 13" -, dürfte auch die jungen Zuschauer hierzulande nicht kalt lassen.<BR></P>

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