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Dagobert Duck springt ins Geld im Erika-Fuchs-Haus in Oberfranken.

Erika-Fuchs-Haus hat eröffnet

Comic-Museum: Donald-Duck-Fans pilgern nach Schwarzenbach

Schwarzenbach - Eine Hommage an die Grande Dame des Comics: Im oberfränkischen Landkreis Hof hat ein Erika-Fuchs-Haus eröffnet - ein "Museum für Comic und Sprachkunst".

Im oberfränkischen Städtchen Schwarzenbach an der Saale herrscht Volksfeststimmung. Und auffallend viele der Gäste, die auf Bierbänken Zwetschgenblootz verzehren, tragen T-Shirts mit Motiven der Entenfamilie Duck. Denn an der Bahnhofstraße hat am 1. August das Erika-Fuchs-Haus eröffnet, ein „Museum für Comic und Sprachkunst“.

Duck-Fans in Deutschland sind gut organisiert. In der D.O.N.A.L.D. (Deutsche Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus) diskutieren sie über das Rechtssystem in Entenhausen oder die richtige Aussprache der Namen („Duck“, nicht „Dack“!). Beachtung finden aber nur Comics des Zeichners Carl Barks, die von der Übersetzerin Erika Fuchs ins Deutsche übertragen wurden. Und weil Fuchs ihre stilprägenden Texte in Schwarzenbach anfertigte, wurde ihr dort nun ein Museum gewidmet.

Stolz macht das vor allem den Richter und Donaldisten Gerhard Severin. Am Tag der Eröffnung steht er, gekleidet in einen Matrosenanzug samt Mütze, vor dem Eingang zum Museum und begrüßt die Gäste persönlich. Eigentlich hatte er nur nach einem Ort gesucht, an dem er seine Sammlung von 3000 Enten-Figuren ausstellen konnte. Doch dann kam er 2006 nach Schwarzenbach und wusste: Hier muss ein Museum hin. „In meiner Jugend galten Comics nur als Krachbumm-Literatur, durch die man verblödet“, sagt er. „Aber in der Übersetzung von Frau Fuchs finden sich so viele literarische Feinheiten, dass sich dieses Vorurteil nicht mehr halten kann.“ So suchte Severin zusammen mit dem Schwarzenbacher Bürgermeister nach Finanzierungsmöglichkeiten und entwarf das Museum. 2008 zog er von Ingolstadt nach Schwarzenbach und widmete sich intensiv der Museumsarbeit.

Dass das Erika-Fuchs-Haus das Ergebnis echter Leidenschaft ist, merkt man an der liebevollen Umsetzung. In einem großen Raum spaziert man durch Entenhausen: Von begehbaren Modellen von Donalds Heim und Daniel Düsentriebs Werkstatt über den riesigen Duck-Stammbaum bis zu Onkel Dagoberts Geldspeicher samt Talerbad. Und in der Mitte thront – wie im Comic – die Statue des Stadtgründers Emil Erpel.

Die gibt es aber nicht nur im Museum zu sehen: Direkt unterhalb der Bahnhofstraße, am Ufer der Saale, steht zu Erika Fuchs’ Ehren ebenfalls ein detailgetreues Erpel-Abbild aus Holz. Denn sie hat Schwarzenbach auch in den Comics verewigt. So kommt einmal die Bäckerei Köppel vor, bei der man auch heute noch einkaufen kann. Auch das schmale Schübelsgässchen fand seinen Platz in Entenhausen. Und wenn die Ducks die Stadt verlassen, fahren sie nach Schnarchenreuth oder Oberkotzau – beides liegt im Landkreis Hof. Auch deshalb finden viele Donaldisten: Schwarzenbach müsste eigentlich Entenhausen heißen.

Drei Straßen vom Museum entfernt steht eine Frau vor einer weißen Villa. „Hier haben wir gewohnt“, sagt sie, „bei Tante Erika und Onkel Günter. Oft waren Künstler aus Berlin zu Besuch, es war immer was los.“ Die Frau heißt Annette Seydel und ist 77 Jahre alt, ihre Mutter war Erika Fuchs’ beste Freundin. Und so kam die Familie nach dem Krieg vorübergehend in der Fuchs-Villa unter. Heute lebt Seydel in München, aber zur Museumseröffnung kam sie in die Heimat. Die Ausstellung gefällt ihr: „Da wird Tante Erika richtig gewürdigt.“

Tatsächlich sind zwei große Räume im Museum nur Erika Fuchs und ihrer besonderen Sprache gewidmet. In einem ist Fuchs’ Leben als Comic zu sehen, im anderen erfährt man interaktiv, mit welchem Feingefühl die Übersetzerin den Comics ihren eigenen Stil verliehen hat. Mit beweglichen Lettern können die Besucher eigene „Erikative“ („seufz“, „schluck“, „jammer“) bilden. Für diese Verbform ist Fuchs’ Stil berühmt – entsprechend murmeln Donaldisten prinzipiell „klatsch, klatsch, klatsch“, anstatt zu applaudieren. Und der „Zitatwirbler“ verrät, welche Literaturklassiker die Übersetzerin den Ducks in den Mund gelegt hat („Etwas ist faul im Staate Dänemark“). Auch diese oft eingestreuten Zitate machen Fuchs’ Sprache aus – bekannt ist ihr Ausspruch, man könne nicht gebildet genug sein, um Comics zu übersetzen.

Das Museum ist gut besucht, viel Oberfränkisch ist zu hören, aber auch Ortsfremdes: Donaldist Ralf Schmitt ist aus Köln gekommen. Ihm gefällt, dass das Museum Donald und Entenhausen genauso würdigt wie Fuchs’ Sprachwitz. Auch das Ehepaar Zupfer aus Stein bei Nürnberg ist begeistert – will aber noch mal kommen, wenn weniger los ist. Tatsächlich vergisst man bei diesem Andrang fast, dass der berühmte Sohn Schwarzenbachs eigentlich nicht Donald Duck heißt: Der Dichter Jean Paul lebte hier als Kind. Nach ihm fragt an diesem 1. August aber keiner. Seufz. Jammer. Aber auch: Klatsch, klatsch, klatsch!

Johanna Popp

Das Erika-Fuchs-Haus

Di.–So., 10–18 Uhr; Bahnhofstraße 12, Schwarzenbach/Saale; Telefon: 09284/ 93 30.

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