Erinnerung an kurze Liebesfreuden

- Er ist nun einmal Gurnemanz. Denn seit Jahren kann keiner wie er mit den langwierigen Erzählungen des Ritters Knappen und Publikum gleichermaßen bannen. In wenigen Tagen wird Kurt Moll in der Wiederaufnahme von Wagners "Parsifal" an der Bayerischen Staatsoper wieder in diese Erfolgsrolle schlüpfen. Doch zuvor wollte der beliebte Bassist seinen Fans am Montagabend im gut besuchten Münchner Prinzregententheater beweisen, dass er auch als Liedinterpret bestehen kann.

<P>Seine Sarastros, Osmins, Roccos, Dalands, Markes, Pogners und "Ochsen" sind Legion, doch mit Schuberts "Winterreise" begab er sich - in München erstmals - wildernd ins angestammte Revier der Bariton-Kollegen. Mit Erfolg - wie zu erwarten.</P><P>Denn Moll ist kein Draufgänger, der irgendetwas riskiert; er kennt seine musikalischen Mittel und nutzt sie klug. So begann er den Müller-Zyklus hoch konzentriert und ganz auf seine ausgefeilte Technik vertrauend. Auch wenn seine "Väter"-Stimme wohl kaum von eben Erlebtem und Erlittenem berichtete, eher Erinnerung die kurzen Liebesfreuden und bleibenden Verletzungen heraufbeschwor, überzeugte Moll mit genauer Diktion, verhaltenen Piani und gekonnten Registerwechseln.</P><P>Nach kurzem "Warmsingen" war die Stimme schon im Legato des "Lindenbaums" ganz da, entfalteten sich Volumen, Linie und Ausdruck in den folgenden Liedern.</P><P>Naturgemäß ist die Luft in den Höhen dünn, aber Kurt Moll nahm sie zurückhaltend-versiert. Den jähen Stimmungswechseln im "Frühlingstraum" stellte er sich ungeschützt, steigerte sich fortan in Elend, Verwirrung und Todessehnsucht des Wandernden.</P><P>Zunächst noch wild und zuweilen trotzig ("Post", "Mut"), schließlich resignierend ("Das Wirtshaus") und am Ende "erlöst" in der drehenden Wiederkehr des Immergleichen: der Leere des "Leiermann".</P><P>Auch Stefan Irmer am Klavier machte sie hörbar. Er hatte sich als äußerst präsenter Partner zuvor schon intensiv zu Wort gemeldet und Schuberts differenzierten Klavierpart gleichberechtigt (nur punktuell etwas übergewichtig) zur Stimme gesellt.</P><P>Großer Jubel für Kurt Moll, der die Geschlossenheit des Liederzyklus mit keiner Zugabe verwässerte.</P>

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