Erkenntnis auf dem Trampolin

- Wäre Sisyphos ein Künstler gewesen, er hätte sich gern mit dieser Ausstellung identifiziert. "Wir arbeiten immer noch daran, nicht mehr zu arbeiten", lautet der Titel der aktuellen Schau in der Galerie der Künstler - ein ziemlich absurdes und überdies selbstzerstörerisches Vorhaben der 14 Beteiligten. Doch dieses Arbeiten am Nicht-mehr-Arbeiten ist allem Anschein nach ein äußerst produktives. Der reizvolle rote Faden, die künstlerische Selbstreflexion von Kunst, Künstler, Ausstellungsraum und Betrachter, zieht sich durch die vielfältigen Methoden, Materialien, Medien.

<P>Entstanden sind sehr persönliche Antworten, von denen man einige kaum begreifen kann, ohne auch den Kontext der Fragestellung des Künstlers auf dem Informationsblatt zu studieren. So ist Michael Hofstetters "Ottos Hütte" ein einfacher, kleiner Holzbau, im Innern mit Galeriekritiken tapeziert. Er ist dies solange, bis man liest, dass es diesen Raum in der besagten Galerie tatsächlich gibt. Nun erst versteht man das ganze Kunstwerk: Hofstetter spielt mit Kunstpräsentation in der Reproduktion eines echten Ausstellungsraumes.</P><P>Die Entschlüsselung ist also eigentlich eine Neuverschlüsselung: Kunst entsteht, um Kunst zu deuten und bedarf dann ihrerseits einer Erklärung. Im Normal- und Idealfall liefert diese der Betrachter selbst - als fester Bestandteil der Kunst. Das ist Thema gleich mehrerer Arbeiten. Die beiden Schwarz-Weiß-Filme von Veronika Wenger und Andreas Wutz zeigen Handlungen und Beziehungen, die der Betrachter automatisch mit Worten und Geschichten erfüllt. Im Zentrum von Andrea Stahls "Ruh' Dich aus" steht ein Trampolin. Ein Sprung befriedigt die Neugierde, doch der Blick ins obere Stockwerk offenbart nichts als die Videoprojektion des eigenen Körpers. "Ruh' dich aus" - was vorher wie eine Verhöhnung des springenden Betrachters klang, entpuppt sich nun als neue Maxime des Künstlers.</P><P>Doch der Schein trügt: Traut man sich nur nah genug an Olaf Probsts Wände füllende Bilder heran, so kann man aus den stupiden Schlangenlinien millionenfach die Wortfolge "meinsniedeinsnie" herauslesen. Schaut man den gesamten Werken der Ausstellung achtsam auf den vermeintlich leeren Grund, so stellt man fest: Das Nicht-mehr-Arbeiten ist Utopie; die diesbezügliche Selbstreflektion des Künstlers kann nur in immer neuer Kunst enden. Sisyphos jedenfalls hätte zu dieser Einsicht wissend genickt.<BR></P><P>Bis 8.4., Maximilianstraße 42; Tel. 089/ 22 04 63. </P>

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