Im Erlebnispark

- "Lass' den Sonnenschein herein" - und dann lassen die einen im Dunkeln tappen... Die Schmuckklasse von Professor Otto Künzli hat sich für ihre Präsentation im Rahmen der Jahresausstellung 2006 der Akademie der Bildenden Künste München etwas Besonderes einfallen lassen. Naturgemäß werden Preziosen - von der hauchzarten Kette bis zum satirischen Dollar-Kreuz - auf Stelen edel präsentiert. Aber diesmal ist der ganze Raum eine Installation: Wie dicke Lüftungselemente ragen Papp-Schächte ins Zimmer.

Sie leiten jedoch nicht Luft, sondern Licht. Durch Spiegelfolien wird das Tageslicht hereingeschmuggelt und auf jedes einzelne Schmuckstück hingeführt - ein wunderschönes, wandelbares Leuchten.

Überhaupt zeigen sich in diesem Jahr viele Klassenverbände als interessante Einheit. Einige sind deswegen wohl auch ausgeschwärmt: nach Freising ins Dombergmuseum (Stephan Huber), in den Ingolstädter Kunstverein (Res Ingold), in den Landshuter Marstall (Matthias Wähner) und die Olaf-Metzel-Schüler in den Untergrund des Münchner ZKMax (Maximilianstraße).

Aber auch die im Alt- und Erweiterungsbau der Akademie Verbliebenen zeigen in ihrer Leistungsschau, was gemeinschaftliches Arbeiten bringen kann. Für Künstler, die sich später vor allem als Einzelkämpfer durchschlagen müssen, eine wichtige Erfahrung. So entwickeln die Studenten von Joseph Kosuth für den Erlebnispark Akademie eine virtuelle Ausstellung aus  vorhergegangenen Aktionen, die aufgenommen wurden. Bei denen von Stephan Dillemuth ist ein begehbares Spukschloss entstanden. Anke Doberauer hat ihre Zöglinge zu einer Kunstmesse mit eigenem Logo, verkäuflichen Bildern und Profi-Vermarktung angeregt, und Magdalena Jetelová die ihrigen zu einer fantastischen Welt mit Haus-Modulen gegen Münchner Wohnraummangel oder Bassgeiger als Lift-Musiker (Außenstelle an der Dachauer Straße).

Gemälde und politische Positionen im Aufwind

Die Malerei war nie weg vom Fenster - trotz der langen Bevorzugung von Installation, Video- und Foto-Kunst -, wurde außerdem von den Akademien unverdrossen gelehrt. Jetzt ist sie zusammen mit dem Gemälde-Markt im Aufwind. Wobei der Weg als Maler immer noch extrem hart ist. Denn in diesem Medium noch Akzente setzen zu können, scheint schier unmöglich. In der Jahresausstellung kann der Besucher gut verfolgen, wie sich die jungen Menschen auf die Suche begeben, Vorbildern nacheifern, ihre Technik verfeinern, Grenzen austesten. So hat sich die Klasse von Sean Scully zu einem rundum dicht gehängten, vielfältigen "Tableau" entschlossen - von realistisch bis pointillistisch-abstrakt. Starke, fast brutale Arbeiten sind dagegen im Team von Axel Kasseböhmer zu finden.

Sehr erfreulich ist, dass manche Studenten gesellschaftspolitisch Stellung beziehen. Vom blauweißen Panzer-Anhänger (Alexandra Blank) über ein Video einer Performance von Maria Berauer, die sich als herzige Alm-Maid nach ausgiebiger Weißwurst-Brotzeit in die Luft sprengt, bis zu Verena Frenschs Fotorecherche. Sie füllt fast eine Wand mit Fotos aus Jordanien, die die Totalpräsenz und Verherrlichung von Politikern/ Herrschern vor Augen führt.

Wie mit Studenten gearbeitet wird, wie sich etwas entwickelt, kann der Besucher der Jahresausstellung am besten in der Exposition der Innenarchitektur (Carmen und Urs Greutmann) verfolgen. Da gibt's zum Beispiel den "8-Stunden-Stuhl". Erstsemester mussten in kürzester Zeit Sitzgelegenheiten aus Abfall entwickeln: Eine ganze Reihe witziger Varianten ist zu bestaunen. Daneben Ideen, wie man Plausch-Inseln in vorhandene Gebäude einschleust oder einen wandelbaren Pavillon schafft.

Bis 14.7. täglich 12-20 Uhr, Akademiestraße 2 und 4, Dachauer Straße 112/ 114 (Nähe Leonrodplatz).

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