Eroberung des Prinzen

- Wie verdammt schwer das Leichte ist, wissen alle, die es je damit versucht haben. Auch Rossinis Dramma giocoso "La Cenerentola" - die Geschichte vom Aschenputtel - gehört zu jenen schweren leichten Opern, die in höchster Perfektion abschnurren müssen. Vor allem musikalisch.

<P>Mit Bruno Weil hat die Bayerische Theaterakademie einen Profi, der weiß, worauf es ankommt: In den haarigen Ensembles trumpfte er bei der Münchner Premiere der "Cenerentola" im Prinzregententheater mit den Studenten so sicher auf, dass jeder hörte - hier war hart geprobt worden. Selbst in den rasanten, zungenbrecherischen Beschleunigungen warf es niemanden aus der Kurve, denn Weil hatte alles rhythmisch sicher im Griff. Ein paar kleine Schlampereien leistete sich nur das Georgische Kammerorchester Ingolstadt, das der Dirigent dennoch ordentlich auf Trab brachte. Im hoch gefahrenen Graben tönte es allerdings manchmal eine Spur zu laut.</P><P>Mühelos setzte sich Merit Ostermann als Cenerentola darüber hinweg. Mit in der Höhe wie in der Tiefe angenehm timbriertem Mezzo und erfreulich lockeren Koloraturen sang sie sich an die Spitze des Ensembles und eroberte spielgewandt Prinz und Publikum. Dass Regisseurin Annette Jahns unter Mithilfe der ansonsten kess pointierenden Kostümbildnerin Marina Zydek das Aschenputtel in eine Diener-Livree steckte, ergab wenig Sinn.</P><P>Als trinkfester Don Magnifico machte Marcel Cheong mit gepflegtem Bassbariton beste, komische Figur. Während Markus Durst als smarter Don Ramiro sich von den Tücken dieser heiklen Partie ein wenig in die (stimmliche) Enge treiben ließ, gewann sein Diener Dandini (Tobias Haaks) zunehmend Volumen. In Hannes Neumaiers leicht variierbaren Kulissen mit fliegendem Pferd, hereinschwebenden Täubchen und herrlichem Pappkameraden-Hofstaat sorgte die Regisseurin für einen munteren, unverkrampften Spielablauf.</P>Noch am 23., 24., 25. 6.; Tel. 089/ 21 85 28 99.

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