Eröffnung der Pinakothek der Moderne:

- Man muss ihn preisen, es ist sozusagen sein Werk, ein kulturpolitisches und auch diplomatisches Meisterstück: Bayerns Kunstminister Hans-im-Glück-Zehetmair und Münchens dritte Pinakothek, die Pinakothek der Moderne. Nur noch drei Tage - und der fantastische Stephan-Braunfels-Bau, der in sich vier Museen beheimatet, wird am Montag von Ministerpräsident Edmund Stoiber feierlich eröffnet. Von Dienstag an bis Sonntag, 22. September, heißt es dann: Eintritt frei für alle Bürger.

<P>Zehn Jahre Planung und Durchsetzung und schließlich Durchführung des Baus der Pinakothek der Moderne: Mit welchen Gefühlen sehen Sie der Eröffnung am kommenden Montag entgegen?</P><P>Zehetmair: Ich sehe ihr mit großer Genugtuung und einer inneren Freude entgegen. Mit Genugtuung deswegen, weil dieser Weg von zehn Jahren am Anfang ein Weg war voller Hürden, beim Vollzug dann einer mit vielen Dornen, ein Weg, den ich gegen Ende aber mit umso größerer Zufriedenheit gegangen bin. Und die innere Freude empfinde ich, weil wir hier mit der Pinakothek der Moderne und dem ganzen Museums-Areal eine historische Marke gesetzt haben, entsprechend dem Postulat unserer Verfassung, in der es heißt: Bayern ist ein Kulturstaat. </P><P>Sie hatten nicht nur damit zu kämpfen, dass bei seinem Amtsantritt Ministerpräsident Stoiber das Projekt Pinakothek zunächst stoppte. Sondern auch damit, dass der damals so genannte Roncalli-Platz eigentlich der Technischen Universität vorbehalten war.</P><P>Zehetmair: Es galt, zwei schwierige Hürden zu nehmen. Erstens, wie kriege ich es hin, dass in der Konstellation von Wissenschaft und Kunst die Wissenschaft sich nicht als die Besiegte fühlte. Als ich 1988 auch die Hochschulen mit in meinen Verantwortungsbereich übernahm, lag der Plan der TU für den Neubau der Fakultät für Maschinenbau auf dem Gelände der heutigen Pinakothek der Moderne fix und fertig auf dem Tisch. Ebenso die Projektierung für die Gentechnologie. Ich musste also Überzeugungsarbeit leisten. Mit dem Verzicht der TU auf diesen Platz mitten in der Stadt kam die epochale Wende. Ich glaube, ich habe indes nachgewiesen, dass die Wissenschaft dabei nicht auf der Strecke geblieben ist. Der Maschinenbau kam nach Garching, das Genzentrum nach Großhadern und Martinsried. Zwei, wie sich längst herausgestellt hat, hervorragende Standorte. Und ich denke, es gibt niemanden mehr, der mir heute nachsagen würde: Für Kunst hat er ein Faible, für die Wissenschaft nicht.</P><P>Und die zweite Hürde, die bewältigt wurde?</P><P>Zehetmair: Dass es uns gelang zu sagen: Wir schaffen auf dem Gelände mit der unmittelbaren Nachbarschaft von Alter und Neuer Pinakothek, also zwischen Barer- und Gabelsberger- sowie Türken- und Theresienstraße, ein Museumsquartier und leisten damit einen entscheidenden Beitrag für den kulturellen Föderalismus in Deutschland. Das ist eine Antwort auf unsere Zeit.<BR> Es ist mir als konservativer Politiker ein besonderes Anliegen, nicht nur Bewahrer zu sein. Ich will auch die Kontaktaufnahme und den Dialog mit unserer Gegenwartskultur und -kunst. Was wir hier geschaffen haben, ist ein bayerischer Leuchtturm _ im Sinne von König Ludwig I., der geschrieben hat: Bayern wird nie das politische Zentrum, aber immer das kulturelle Zentrum Deutschlands sein. Das ist unsere Antwort auf Berlin.</P><P>Die Eröffnung am Montag _ das wird ein stolzer, imposanter Auftritt der Kunst. Sehen Sie das außerdem als einen Ausdruck von politischer Kraft und Macht?</P><P>Zehetmair: Ja. Es ist auch eine Demonstration demokratischer Kraft. Wir brauchen heute mehr denn je für den Dialog der Kulturen solche Kommunikationszentren. Das hat nichts mit einem Harmoniekonzept zu tun. Manche Leute fragen mich: "Gefällt Ihnen das denn alles, was da in dieser Pinakothek der Moderne zu sehen sein wird?" Ich sage dann: Es gehört dazu, dass einiges darunter ist, das diskutiert werden muss. Natürlich gehen wir mit der neuen Kunst auch ein Risiko ein. Einige Werke werden vielleicht den Abstand von 50 Jahren nicht überstehen, das wird sich weisen. Aber jetzt gehören sie doch zu einem epochalen Exempel.</P><P>Wie würden Sie die Pinakothek der Moderne international einreihen?</P><P>Zehetmair: Ich denke, wir können uns gut zwischen Paris, London und New York behaupten. In Deutschland ist sie das größte Bauwerk in diesem Bereich. Wichtig ist jetzt, dass in diesem Gebäude eine Dynamik entwickelt wird für ein kreatives Leben. Dass dort ein Dialog der Künstler mit der interessierten Öffentlichkeit einsetzt _ vor allem mit der schulischen und studentischen Jugend.</P><P>Kommen wir zu den Kosten: 121, 5 Millionen Euro waren vorgesehen. Die Summe wurde um 18 Millionen überzogen. Die Bauphase ist noch nicht abgeschlossen. Was tun, um derartigen Überschreitungen beim zweiten Bauabschnitt und dem Bau des Brandhorst-Museums vorzubeugen?</P><P>Zehetmair: Das Schwierigste bei der Pinakothek der Moderne war sicherlich die Tatsache, dass ein so großer Museumsneubau für alle absolutes Neuland war. Die Vision war da. Es fehlte die Erfahrung. Der Fehler war die Zustimmung der Fachleute, dass die Plafondierung mit 200 Millionen (damals noch) Mark, realistisch sei. So ist eine Kostenüberschreitung von  um  die<BR>15 Prozent entstanden. Das war ärgerlich, hat auch, wie man weiß, zu Dissonanzen geführt. Bei den folgenden Vorhaben wird es nicht die Bedingungen eines Plafonds geben; die Kosten werden regelmäßig durch die Oberste Baubehörde geprüft. Wenn wir am 21. Oktober den 1. Preis für Brandhorst bekannt geben, dann wird man dabei darauf achten müssen.</P><P>Wahlkampf in der letzten Phase: Da hinein fällt die Eröffnung der Pinakothek. Glücklicher Zufall oder auch ein bisschen Taktik?</P><P>Zehetmair: Die Hauptsache war: Ich wollte die Eröffnung unbedingt im September haben, ob mit oder ohne Wahl. Aber wie es jetzt ist, passt es natürlich gut.</P><P>Glauben Sie, dass das kulturelle Ereignis der Museumseröffnung die Entscheidung der Bürger extra beeinflusst?</P><P>Zehetmair: Nicht nennenswert. Ich bin auch der Meinung, dieses großartige Werk darf nicht heruntergezogen werden auf kurzfristigen Gewinn. Ich habe immer versucht, dieses neue Museumsquartier nicht unter parteipolitischen Aspekten zu betreiben. Das überdauert uns.<BR>Haben Sie ein Lieblingswerk in der Pinakothek der Moderne?<BR>Zehetmair: Ernst Ludwig Kirchners "Wasserträger". Und das ist nicht symbolisch gemeint.</P><P><BR><BR><BR> </P>

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