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Eros Ramazzotti verzauberte am Freitag - wenn auch verspätet - die Olympiahalle.

Nach abgesagtem Konzert

Wieder fit: Eros Ramazzotti sagt "Scusi" in der Olympiahalle

München - Zwei Wochen mussten die Fans in München warten, bis Eros Ramazzotti dann doch sein Konzert in München spielen konnte. Am Freitag sagte er dann aber "Scusi". Die Nachtkritik.

Mit Verständnis, aber auch viel Wut: So reagierten die Fans Mitte März, als das Zusatzkonzert von Eros Ramazzotti in der Münchner Olympiahalle abgesagt wurde. Ärger nicht wegen des Grundes – ein akuter viraler Infekt und Luftröhrenentzündung legte den Sänger flach. Vielmehr deshalb, weil die Nachricht erst kurz vor Konzertbeginn durchsickerte, als schon viele unterwegs und vor Ort waren.

Ist deshalb am Freitagabend beim Nachholtermin die Halle nur halbvoll. Die 6000, meist weiblichen Zuschauer erleben zunächst einen Eros, der weiß, was sich gehört. Er entschuldigt sich auf Englisch: "Sorry für zuletzt, große Probleme."

Seine Show besänftigt dann endgültig alle erregten Gemüter wieder. Sie ähnelt natürlich dem Tourstart an gleicher Stelle im Oktober. Ein zwei Stunden langer, durchinszenierter italienischer Pop-Abend zum Feiern, Träumen und Kuscheln. Dazu ein bestens aufgelegter, eindeutig wieder genesener Eros ganz in schwarz mit seiner typisch nasalen Stimme. Teils mit Gitarre (cool) oder allein am Klavier. Immer hingebungsvoll dabei. Eingetaucht ist er in buntes Laserlicht und umrahmt von einer neunköpfigen Rockband, aus der das Saxofon hervorsticht.

Pünktlich (!) um 20 Uhr und ohne Vorband beginnt der gebürtige Römer Schmusesänger „L’ombra del gigante“ zu schmettern. Erst als Schattenspieler hinter einem Vorhang, dann vor einer riesigen Videowand. Er bringt zunächst Songs seines aktuellen 15. Albums „Perfetto“, aber auch all seine Hits wie – als erster Höhepunkt – „Se bastasse una canzone“. Der Unterschied: Neu klingt zwar wieder handgemachter als zuletzt, aber trotzdem austauschbar, Alt einfach unverwechselbar. Die Gemeinsamkeit: Beides wird gefeiert. Grandios: der akustische Teil mit „L’aurora“ für seine Tochter und „Adesso tu“. Damit gewann er 1986 das Sanremo-Musikfestival. Schnell reißt er das Publikum aus den Sitzen – warum bestuhlt man ein Eros-Konzert überhaupt?

Der 52-Jährige ist älter und grau geworden, aber immer noch der charmante, lässige und publikumsnahe Entertainer. Italiens Pop-Export Nummer 1 mit mehr als 50 Millionen verkauften Platten. Nur manchmal sind die sonst sehenswerten 3D-Videoprojektionen zu kitschig (ein Klavier fliegt). Teils ist Eros zu clownesk – wenn er zum Beispiel das Klavier und Stühle rückt, "Mein kleiner grüner Kaktus" anstimmt oder sich auf der Bühne schlafen legt. Damit zerstört er fast den emotionalen akustischen Teil. Will wohl zeigen, dass er mehr kann als schmusen?

Viel besser gelingt ihm das kurz vor Schluss mit dem epischen „Musica è“, der Akustikgitarrenballade „Un angelo disteso al sole“ und dem knisternd-leidenschaftlichen „Fuoco nel fuoco“. Darauf folgt nur noch „Più bella cosa“. Gespickt ist die Hymne mit mehreren „Dangescheens“. Vor der Bühne lauter stehende, tanzende, sichtlich glückliche Menschen. Nach dem pünktlichen Beginn auch nur ein kleiner, kein ausufernder Zugabenteil - angenehm. Liegt diese Disziplin etwa am deutschen zweiten Vornamen Walter? Wer weiß. Der Ärger jedenfalls ist vergessen. Lange kann man diesem Eros einfach nicht böse sein.

Marco Mach

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