Peter Bongartz spielt am liebsten in Zwei-Personen-Stücken; hier mit Susanne Schäfer in „Achterbahn“. Das Stück hat heute Premiere in der Komödie im Bayerischen Hof und wird bis 8. Mai gespielt. Foto: Loredana LaRocco

„Erpressbar wollte ich nie werden“

München - Vor der Münchner Premiere: Ein Interview mit Peter Bongartz über Schauspieler-Abhängigkeit, Theater und Fernsehen.

Eine Zufallsbekanntschaft in einer Bar führt zu einem letzten Glas bei ihm zu Hause – und dann zu einer „Achterbahn“ der Gefühle. So der deutsche Titel der Komödie „Les montagnes russes“ des Tunesiers Eric Assous, die 2004 in Paris mit Alain Delon uraufgeführt wurde. Ab heute ist sie in Michael Wedekinds Inszenierung in der Münchner Komödie im Bayerischen Hof zu sehen (Karten 089/29 28 10). Gespielt wird das Duo von Susanne Schäfer und – man braucht den bekannten Bühnen- und TV-Schauspieler nicht lange vorzustellen – Peter Bongartz.

-Die Konstellation ist: „verheirateter älterer Herr und jüngere Dame“...

Auf unserer Tournee haben wir festgestellt, dass der Fakt des Fremdgehens beim Publikum manchmal schon ein moralisches Empfinden traf. In Frankreich ist das gar kein Thema. Die Ehefrauen dort wissen auch meist um die Maitresse. Im Stück glaubt übrigens der Mann, dass er sich Freiheiten herausnehmen kann, schon weil die Frauen eine höhere Lebenserwartung haben... Die Faszination für den Zuschauer liegt darin, dass er meint: So, jetzt weiß ich Bescheid. Aber letztlich doch bis zum Schluss in rätselvoller Spannung bleibt.

-„Tatort“, „Der Alte“, „Ein Fall für zwei“, „Julia – eine ungewöhnliche Frau“, um nur ein paar Fernseharbeiten zu nennen, und immer wieder Theater. Wo liegt für Sie der Unterschied? Und was ist für Sie spannender?

Fürs Filmen sind die Augen wichtig. Ein Humphrey Bogart spielte mit den Augen. Im Theater ist ja eine Distanz da, und die fordert eine Körperlichkeit... Ich greife immer zu, wenn der Inhalt stimmt. Und da hatte ich eben Glück, jetzt mit dem Assous und davor mit Eric-Emmanuel Schmitts „Enigma“ und seinem „Kleine Eheverbrechen“, alles ZweiPersonen-Stücke. Mehr als zwei Personen mache ich nicht mehr.

-Weil weniger anstrengend?

Viel anstrengender! Die Arbeit ist hochkonzentriert. Aber wenn man sich mit der Partnerin versteht, ist man am Ende zufrieden.

-Kein Opponieren Ihrer Frau bei Ihren Tourneen?

Als Rechtsanwältin hatte sie selbst viel zu tun, ist in meinen Rhythmus dann so reingewachsen. Ich war immer ein Vagabund. Fest engagiert war ich nur ein Jahr und fünf Monate. Es ist ja am Stadttheater nicht wie bei dem freien Regisseur Peter Brook, wo eine Inszenierung gemeinsam mit den Schauspielern erarbeitet wird. Ich habe einfach Hierarchie-Probleme. Und ich wollte mich, prinzipiell, nie abhängig machen. Wenn ich Kollegen frage, warum drehst du denn das, kommt die Entschuldigung: „Ich hab Familie, ich hab ein Haus.“ Erpressbar wollte ich nie werden.

-In den Frühzeiten des Fernsehens in den 60er-Jahren hatte man noch einen guten Überblick über die Schauspieler. Jetzt sieht man auf dem Bildschirm Heerscharen von immer neuen unbekannten Gesichtern. Und alle in Brot?

Sie dürfen nicht vergessen: Heute haben wir Programm rund um die Uhr. Für die ganzen Soaps und Dailys gibt es nicht mal genug Schauspieler. Die TV-Produktionsfirmen haben Casting-Agenturen, fragen rechts und links. Das fing ja an mit dieser RTL-Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. Diese Darsteller arbeiten auch unheimlich hart. Aber es ist ein ganz anderer Beruf. Einmal war ein Soap-Darsteller bei uns in der Serie engagiert, weil er ein guter Typ war. Der sagte offen: „Ich kann keine Rolle entwickeln. Ich kann nur eins zu eins den Text sagen, und hopp zur nächsten Szene.“ Und ja, es ist schwer, aus dieser Schublade rauszukommen.

-Verbrauchen sich Gesichter?

Na ja, die Rollen wiederholen sich. Einige wollen dann von sich aus nicht mehr. Viele können sich allerdings Ruhepausen nicht leisten, weil sie sich einen hohen Lebensstandard geschaffen haben. Ich fahre immer noch meinen VW-Käfer von ’79. Und meine Agentin gab mir damals den klugen Rat: ,Ziehen Sie bloß nicht nach München, wenn Sie nichts haben. Wenn man Sie will, holt man Sie.‘

Das Gespräch führte Malve Gradinger.

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