Erstarrtes Leben

- "Mehr Inhalt, wen'ger Kunst" (Gertrud zu Polonius, "Hamlet", II, 2) hätte man gerne Eva-Maria Höckmayr jetzt bei ihrem "Leonce und Lena" zugerufen. Die Regie-Studentin (4. Jahrgang) der Bayerischen Theaterakademie hat ohne Frage Handwerk. Aber all die vielen, zum Teil schon wieder aus der Mode gefallenen Mittel verfranzeln nur diesen ja nicht eben einfachen Büchner (Münchner Akademiebühne). Rundum Logen-Waben auf drei Etagen (Nina von Essen). Imposant. Schafft aber Negativ-Entfernung zum Stück. Unten das Viereck des Kleinstaates Popo, wo die Hofschranzen um König Peter (Hubert Bail) an oft gerückten Schreibtischen beamtisch ins Lächerlich-Leere laufen, ziemlich lange, und der MonteverdiChor München einmarschierend immer mal wieder deutsches (Heimat-)Liedgut zum Tönen bringt. Irgendwie alles nicht unrichtig gedacht. In seiner Dehnung - und noch musikalischen (Stör-) Untermalung vom Andy Lutter Trio - gerät's jedoch zur Ablenkung. Zur Langweile. Um die geht es wohl hier. Aber die muss anders rüberkommen.

<P>Es ist ja bei Büchner der "ennui": das selbstironisch-melancholische Leiden an einem zum Ritual erstarrten Leben. Mit Turnen über Tische, mit Tauschen von Klamotten - schon wieder Mann in Frauenfummel! - ist es nicht getan. So richtig Körper bekommt der (leicht umgestellte) Text erst, wenn nach der ganz hübschen Rosetta-Leonce-Episode Markus Fennert auftrumpft. Nicht in der Lovestory mit Stefanie von Posers Lena, sondern im philosophisch plänkelnden Duo von Peter Nietzsches Leonce und Fennerts Valerio findet der Abend immerhin ein Zentrum. </P><P>Noch heute. Tel. 089/21 85 19 70. </P><P> </P>

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