Der erste Krieger

- Sie reißen einen mit, diese 30 Tänzer, Sänger und Musiker aus Johannesburg! Da kann einer mäkeln wie er will, dieses "African Footprint" sei doch eine von Weißen nach effektvoller Broadway-Manier produzierte Show. Aber ohne die Produzenten Walter Bocksch und Richard Loring hätten die "Footprints" wohl nie die Chance gehabt, seit nun fast fünf Jahren Publikum auf der ganzen Welt und soeben auch im Münchner Deutschen Theater im Sturm zu erobern.

18 Monate haben sie zusammen mit dem Briten Loring, der selbst inszenierte, Ideen entwickelt, Traditionelles eingearbeitet. Und jetzt stimmt einfach alles, bis hin zum Signet, dem schwarzen Fußabdruck. Blendend getimt der Wechsel von Tanz-, Song- und Percussion-Nummern. Fast ein Gemälde die im Hintergrund aufglühende Afrika-Szenerie. Stilvoll die Kostüme zwischen farbkräftig afro-ethnischem und modernem Revue-Design in diesem Bilderbogen über die Mythen Afrikas. Da ist der erste einsame Krieger, die Paarung mit der Frau, die Konfrontation mit dem feindlichen Stamm, das einende Lagerfeuer. Es folgen die Mythen der Moderne: der rhythmische "Gumboot", der Gummistiefeltanz der Minenarbeiter in den 20er-Jahren. Die "heißen" 30er- und 40er-Jahre in Sophiatown, Johannesburgs Harlem sozusagen (vom Apartheid-Regime in den 50ern plattgemacht), wo man zu Jazzmusik steppte oder den Sophiatown-Jive tanzte. Und Südafrikas Zukunfts-Mythos, die Fußballweltmeisterschaft 2010, die man mit einer irrwitzigen Bälle dotzenden Show-Nummer vorab feiert.<BR><BR>Athletisch getanzt und mit Aretha-Franklin-Timbre besungen die irgendwie eingeflochtenen Themen Liebe, Eifersucht und der Kampf mit dem weißen Mann, der -ganz im Sinne von Nelson Mandelas Versöhnungspolitik - mit kameradschaftlichem Handschlag endet. Ganz bewusst gehören auch Weiße zum Ensemble. Hier präsentiert sich ein junges Südafrika, das sich längst auch neuen Musik- und Bewegungsstilen öffnet. Die Choreographen Debbie Rakusin und David Matamela haben sehr elegant Afro-Bewegungen mit Modern Dance und Ballettklassik zu einer Synthese gebracht. Dennoch - oder gerade deshalb - ist "African Footprint" ein echt südafrikanisches Ergebnis. <BR><BR>Denn die Essenz des Abends, das sind doch: die jungen Darsteller. Wie sie ihre Körper durch sämtliche Stile peitschen. Ihre überwältigende Energie. Ihre Lebensfreude. Auch wenn die Musical-Kompositionen von Dave Pollecutt als Glückspillen-Entertainment konzipiert sind, die Probleme Südafrikas ausgeklammert bleiben - die Botschaft des letzten Songs: "Wir sind die Kinder Afrikas, wir sind die Zukunft", kommt als glaubhaftes politisches Statement beim Zuschauer an.

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