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Sopran Anita Watson aus Australien überzeugte Jury und Publikum gleichermaßen.

Der erste Preis fehlt noch

München - ARD -Musikwettbewerb: Beim Konzert des Semifinales treffen Sänger aus fünf Nationen aufeinander. Langsam, aber sicher ist die Spannung in den Probenräumen immer stärker zu spüren.

In den Vorrunden ging es zumindest für den außenstehenden Beobachter noch ganz entspannt zu. Doch langsam, aber sicher wird es ernst beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD und die Spannung in den Probenräumen ist immer stärker zu spüren. Das Prädikat „international“ hat sich in diesem Jahr vor allem das Semifinale der Sänger mehr als verdient. Treffen dort doch morgen gleich fünf Nationen von vier Kontinenten aufeinander (Australien, Deutschland, England, Korea, Mexiko). Wobei mit Wilhelm Schwinghammer und Falko Hönisch übrigens nach wie vor zwei hoffnungsvolle Teilnehmer aus deutschen Landen mit im Rennen sind.

Den weitesten Weg hat hier zweifellos die Australierin Anita Watson hinter sich, die bisher bereits ein vielseitiges Repertoire von Händel bis Verdi präsentierte und damit offenbar nicht nur das Publikum, sondern auch die gestrenge Jury überzeugen konnte. Trotz des berühmten Opernhauses, dessen Fassade zum Wahrzeichen ihrer Geburtstadt Sydney geworden ist, gilt Watsons Heimat „down under“ bis heute nicht gerade als ein Land der Oper. Was jungen Sängern wie ihr den Start ins Berufsleben nicht unbedingt erleichtert. „In Australien ist es üblich, dass man nach dem Studium erst einmal nach Europa oder Amerika geht. Und wenn man dann wieder nach Hause kommt, hat man eine Chance, engagiert zu werden. Vorher nimmt einen dort niemand ernst.“

Schon als Cover für Diana Damrau

Doch ernstnehmen sollte man Anita Watson auf jeden Fall. Denn nach ersten Schritten auf der Bühne des Kölner Opernhauses ging es für die Sopranistin vor zwei Jahren geradewegs ins „Young Artist Programme“ der Londoner Covent Garden Opera, wo sie neben kleineren Partien auch schon als Cover für Diana Damrau eine Vorstellung von „Hänsel und Gretel“ übernehmen konnte. Und was die großen Wettbewerbe betrifft, kann man Watson inzwischen wohl ebenfalls getrost als echten Profi bezeichnen. Hat sie sich doch erst vor wenigen Wochen bei Placido Domingos Talentschmiede „Operalia“ den dritten Platz auf dem Siegertreppchen ersungen. „Das Einzige, was mir jetzt noch fehlt, wäre mal ein erster Platz.“ Wie sie mit einem verschmitzten Augenzwinkern verrät. „Aber ich mache diesen Wettbewerb vor allem, um Leute kennenzulernen und mich wieder einmal sehen zu lassen, weil ich lange nicht mehr in Deutschland war.“

Nach Vorbildern befragt, kommen außer Damrau Namen wie Renée Fleming, Mirella Freni und natürlich die legendäre Landsfrau Joan Sutherland. „Wenn ich eine Partie vorbereite, versuche ich möglichst viele Sängerinnen zu hören, um eine Idee zu bekommen, was an Interpretationen möglich ist.“ Das hilft vor allem, wenn wie jetzt beim ARD -Wettbewerb eine große Bandbreite von Lied und Oratorium bis hin zur Oper abverlangt wird.

Willkommene Herausforderung

Gerade dieser rasche Wechsel zwischen den Gattungen ist auch für Mitstreiter Emilio Jimenez Pons aus Mexiko eine willkommene Herausforderung. „Beruflich singe ich im Moment vor allem Oper, aber mein Herz schlägt mindestens genauso stark für den Liedgesang, also habe ich jetzt die Gelegenheit genutzt und das als Schwerpunkt gewählt.“ Und was hier bei ihm neben der stimmlichen Flexibilität am meisten beeindruckt, ist vor allem die präzise Textgestaltung. Denn abgesehen von seiner spanischen Muttersprache, unterhält er sich mit Kollegen ebenso flott auf Englisch, Russisch, Italienisch oder Deutsch. „Wenn ich etwas singe, ist es mir wichtig, dass ich mich in der Sprache auch ausdrücken kann. Nur bei den schwedischen Liedern war es schwierig, weil ich das noch nicht spreche.“ Was wir einem Multitalent wie ihm, der unter anderem noch ein Klavierdiplom und ein Jurastudium vorweisen kann, aber mal durchgehen lassen.

Traumrollen gibt es auch für ihn noch viele, doch genau wie seine australische Kollegin plant Jimenez Pons langfristig. „Wir Tenöre haben ja oft den Ruf, dass wir ein wenig dumm sind, aber ich möchte meiner Stimme nicht schaden. Ich liebe Verdi, doch weiß ich, dass ich außer dem Fenton wohl nie etwas von ihm singen werde. Wenn ich aber die kommenden zehn Jahre mit Mozart und Donizetti weitermachen kann, bin ich damit mehr als glücklich.“

Das nächste Ziel heißt aber bei ihm erst einmal Finale. „Bisher hat es nur einen Mexikaner gegeben, der hier einen Preis gewonnen hat. Und das war mein Lehrer Francisco Araiza. Also wäre es jetzt eine große Ehre, wenn ich das auch schaffen könnte.“

Tobias Hell

Semifinale Gesang: 9. September, 12 und 17 Uhr, Prinzregententheater; Karten: 089 /59 00 45 45.

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