Erstmals in Europa: MoMA zeigt 200 Meisterwerke in Berlin

- Berlin - Es ist eine Schau der Superlative. Das New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) besitzt weltweit die größte Sammlung von Meisterwerken des 20. Jahrhunderts. Sie war noch nie in Europa zu sehen. Nun zeigt das MoMA, das derzeit umgebaut wird, Teile seiner berühmten Sammlung in der Neuen Nationalgalerie in Berlin.

<P>Für die Kunstwelt ist das Sensation: Allein 13 Werke von Picasso sind dabei, ein ganzer Raum widmet sich Matisse. Zu der sieben Monate laufenden Ausstellung (20. Februar bis 19. September) gibt es ein Sonderprogramm "American Season" mit fast 100 Veranstaltungen.</P><P>Die Schirmherrschaft haben Außenminister Joschka Fischer und sein Amtskollege Colin Powell übernommen. Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos) findet, die Ausstellung und das Begleitprogramm laufen genau zur richtigen Zeit - sie sieht die Kultur als Grundlage einer transatlantischen Partnerschaft. "Man kann es ja noch immer gar nicht richtig glauben, dass MoMA nur nach Deutschland kommt."</P><P>Die Berliner Kuratorin Angela Schneider bestreitet, dass das Ganze ein allzu demonstrativer Versuch ist, das deutsch-amerikanische Verhältnis zu pflegen. "Das hat damit gar nichts zu tun", sagt sie. Die MoMA-Ausstellung sei seit Jahren ein Wunsch der Nationalgalerie gewesen. Das Berliner Museum setzte sich gegen Konkurrenten mit großen Namen durch, darunter die Tate Gallery in London und das Centre Pompidou in Paris, und rechnet nun mit 700 000 Besuchern bis zum Herbst - ein ehrgeiziges Ziel.</P><P>Paul Cézannes Jüngling "Der Badende" wird in der Nationalgalerie neben Vincent van Goghs "Sternennacht" und Henri Rousseaus "Traum" hängen, ein weiterer Höhepunkt ist Salvador Dalís "Beständigkeit der Erinnerung". Nach Ansicht von Peter Raue, dem Vorsitzenden des Vereins der Freunde der Nationalgalerie, ist allein der "Tanz" von Henri Matisse aus dem Jahr 1909 "eine Wallfahrt wert".</P><P>Die zweite Hälfte der Ausstellung ist Vertretern der amerikanischen Kunst gewidmet, darunter Edward Hopper, Roy Liechtenstein, Mark Rothko und Jackson Pollock. Auch Gerhard Richters Zyklus über die Rote Armee-Fraktion (RAF) ist zu sehen, ebenso Max Beckmanns Triptychon, das er im Exil schuf. Vor der Nationalgalerie steht bereits seit einigen Tagen Barnett Newmans mächtiger "Broken Obelisk".</P><P>Für die Ausstellungsmacher spielte die Architektur des 60er-Jahre- Baus von Mies van der Rohe eine wichtige Rolle, der "Tempel der modernen Kunst" gilt als ideal für die Objekte aus New York. Für das MoMA ist es eine Art Rückkehr zu den Wurzeln. Gründungsdirektor Alfred H. Barr ließ sich 1927 in Berlin inspirieren und war - wie viele Amerikaner - vom Bauhaus fasziniert. Van der Rohe war seinerzeit auch als Architekt für das Museum in Manhattan im Gespräch, lehnte aber schließlich ab.</P><P>Die Ausstellung, die bereits in Texas zu sehen war, kostet rund 8,5 Millionen Euro und soll sich überwiegend über die Besucher finanzieren. Die Haftung für die 200 Kunstwerke übernimmt die Bundesrepublik Deutschland. Jedes der Bilder ließ das MoMA im Flugzeug von seinen Mitarbeitern begleiten. Nach der Berliner Ausstellung müssen sie sich beeilen, die kostbare Fracht wieder über den Atlantik zu bringen: Das MoMA soll im Winter wieder eröffnen.</P><P>www.moma.org</P><BR>

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