Erwachsenwerden mit der "Zauberflöte"

Gespräch mit Regisseur Widmaier: - Der große Opernplauderer Marcel Prawy hatte da so seine Bedenken. Mozarts "Zauberflöte", so meinte er einmal ironisch, die sei doch wesentlich komplizierter als Wagners "Parsifal" ­ und daher alles andere als kindgerecht. Dennoch bleibt sie für Opernneulinge das Einstiegsstück schlechthin, wie das jugendliche Publikum nicht nur im Nationaltheater und am Gärtnerplatz immer wieder beweist.

Münchens zweites Opernhaus bringt am kommenden Samstag nun eine Neufassung heraus, "Die Entdeckung der Zauberflöte". Beginn ist um 18 Uhr, Chefdirigent David Stahl steht am Pult. Vorstellungstermine sind danach nicht nur abends, auch mittags und nachmittags wird die Produktion gezeigt. Eine Kinderfassung also?

So will das Regisseur Frank Martin Widmaier, zugleich Künstlerischer Betriebsdirektor am Gärtnerplatz, allerdings nicht verstanden wissen: "Wir bieten eine konzentrierte, kleinere Fassung, die Schwellenängste abbauen soll. Keine bloße Nacherzählung, wie es oft üblich ist, sondern ein eigenes, neues Stück ­ also keine kleine Schote fürs Foyer." Konkret heißt das: Mozarts Singspiel wird von knapp drei Stunden Dauer auf "handliche" 90 Minuten eingedampft.

Viele Ensemblenummern fallen weg, auch Monostatos und der Chor. Dafür bekommen die drei singenden (Tölzer) Knaben drei sprechende Kumpane, die von Schülern des Pestalozzi-Gymnasiums gespielt werden. Außerdem wird das 1791 uraufgeführte Werk mit der Gegenwart konfrontiert.

"Unser Einstieg ist ein alltäglicher Familienstreit", sagt Widmaier. "Über diese moderne Geschichte legen wir die Folie der Märchenhandlung."

Sarastro und die Königin begegnen uns also als getrennt lebendes Paar. Entscheidender findet Widmaier freilich den Aspekt des Erwachsenwerdens: "Tamino, Pamina und Papageno kommen aus unterschiedlichen sozialen Schichten, machen aber eine ähnliche Entwicklungsgeschichte durch. Und hier wird‘s gerade für jugendliche Zuschauer interessant, weil sie vieles wiedererkennen werden."

"Wir können nicht alles im Waschsalon spielen lassen."

Frank Martin Widmaier

Hilfe hat sich Widmaier von Autor Kai Schubert geholt, der die Zwischentexte neu geschrieben hat. "Vielleicht zwei Sätze" gebe es da, die noch reinster Emanuel Schikaneder sind, also aus der Urfassung stammen. Dabei versteht sich von selbst, dass auch die Inszenierung auf dieses etwas andere Publikum Rücksicht nehmen wird. Was geht also nicht? "Ganz brutal von hinten durch die Brust ins Auge erzählen", wie es Widmaier formuliert. "Wir können da keine verquaste Regie bieten und alles im Waschsalon oder in der Bronx spielen lassen."

Diese Produktion biete zudem kein bombastisches Bühnenbild. Auch wenn also die Theatermaschinerie vorgeführt wird mit einer sich drehenden, hebenden und senkenden Bühne, vertraut Widmaier schlicht auf "Regie pur". Als Lockvogel wurde für einige Aufführungen (u.\x0fa. für die Premiere) ein ganz besonderer Papageno verpflichtet: Malte Arkona, TV-Moderator des "Tiger\-enten Clubs". Wobei der bei Kindern beliebte Promi, früher selbst Schüler des Münchner Pestalozzi-Gymnasiums, eine längere Gärtnerplatz-Vergangenheit hat. Regisseur Widmaier: "Malte Arkona ist dem Haus seit vielen Jahren als Statist verbunden, den hatten wir einfach in der Kartei."

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