Escamillo erfüllte alle Wünsche

- Für eine Überraschung im rein russischen Akademiekonzert sorgten die in unseren Konzertsälen kaum zu hörenden Lieder, die Schostakowitsch nach Gedichten von Michelangelo Buonarotti schrieb (Münchner Nationaltheater). Zum 500. Geburtstag des italienischen Renaissance-Künstlers komponierte der Russe 1974/75 - schon vom Tod gezeichnet - die Suite aus sechs Gesängen.

<P>Mit Sergej Leiferkus stand dem Dirigenten Gilbert Varga ein fabelhafter Solist zur Verfügung. Der dem Münchner Opernpublikum als Telramund, Escamillo und Jago wohl vertraute Bariton erfüllte alle Wünsche: In geschmeidigem Russisch durchmaß er die Gefühlsskala der Gesänge, vom lyrisch getönten Liebesgeständnis ("Morgen", "Liebe") über die dramatische Anklage ("Dante", "An den Verbannten") bis hin zum nervös-kecken Marsch der abschließenden "Unsterblichkeit". Dabei stand seine in allen Lagen sehr ausgeglichen klingende und modulationsfähige, nie forcierte Stimme im Mittelpunkt.</P><P>Schostakowitsch-Lieder als Überraschung</P><P>Denn Schostakowitsch hält das große Orchester äußerst transparent. Gleichwohl setzte Gilbert Varga Akzente in der meist düsteren, mit viel Blech und Schlagzeug, aber auch einer besänftigenden Celesta ausgestatteten Begleitung. Das Publikum reagierte begeistert.</P><P>Eingestimmt aufs Russische hatte Varga Orchester und Zuhörer mit Mussorgskis stimmungsvoll aufsteigender Morgendämmerung über der Moskwa, seinem Vorspiel zur Oper "Chowanschtschina" (instrumentiert von Schostakowitsch). Da bereitete sich das geschmeidige Holz schon vor für den Endspurt mit Tschaikowskys vierter Symphonie. Varga setzte aufs Romantisch-Süffige, aufs Leidenschaftlich-Effektvolle, und das operngestählte Staatsorchester folgte ihm. Besonders schön, weil durchhörbar, gelangen die dichten Überlagerungen in der Durchführung des Kopfsatzes und das perlende Zuspiel in den Holzbläser-Skalen des Andantino. Zum Abschluss heftiger Applaus.<BR><BR></P>

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