Per Espresso zum Mond

- Purzelnde Heinzelmännlein - nicht zu Köln, sondern zu Venedig. Juan Muños lässt die lachenden Kerlchen im Biennale-Park (Giardini) von hohen Treppenpodesten kippen. Und führt damit hin zu "L'esperienza dell'arte" (Kunsterfahrung), der Ausstellung von María de Corral, der zweiten Hauptkuratorin. Sie schildert im zentralen Pavillon, dem italienischen, ihre Sicht auf die Kunst. Kein abgesicherter historischer Zugriff sollte geboten werden, eher eine persönliche, aber anregende Stellungnahme. Gelungen ist das nicht.

Zugegeben, das unsympathische Labyrinth der Halle mag eine gute Präsentation fast verhindern. Darauf müsste man aber reagieren und raffinierte Lösungen suchen. Uninspiriert sind Auftritt - und Inhalt. De Corral wagt es nicht, total gegen den Strom zu schwimmen, will aber doch einige "Außenseiter". Daneben werden Standards abgehakt. Ihr sind zum Beispiel die Größen Francis Bacon, Marlene Dumas, Philip Guston, Agnes Martin, Jenny Holzer, Bruce Nauman, Rachel Whiteread und Antoni Tà`pies wichtig. Das ist nicht verkehrt; Vorlieben muss man eben akzeptieren. Warum aber die zum Teil arg schwächelnden Werke? Dem persönlichen Kunsterlebnis kann so niemand nachspüren. Dazu zählen im Grunde auch die Arbeiten von Thomas Schütte, der dafür einen Preis bekam. Zu wenig wurde seine Verschmelzung von klassischer Frauenplastik à la Maillol und verstümmelter Leib herausgestellt. Immerhin ist insgesamt solide Qualität vorhanden. Richtig peinlich ist jedoch der Auftritt von Gabriel Orosco mit kreuzbraven Kreismalereien - so ein bisschen an den Konstruktivismus angelehnt. <BR><BR>Neben diese Blicke in die Vergangenheit richtet de Corral das Augenmerk aufs Heute: Viel Haut, Mimik, Schweiß zeigt Zwelethu Mthethwa (Südafrika) in einem genau rhythmisierten Film, der sein Geheimnis stets bewahrt. Der andere Südafrikaner, William Kentridge, gibt eine richtige Kino-Vorstellung über sich als Künstler bei der Arbeit: ein wunderbar vergnüglicher Mehrfach-Trickfilm, der beweist, dass man mit der Espressotasse ins Weltall linsen kann. Und nochmal Film: Hollywood-Schinken trifft Roms Dekadenz. Francesco Vezzolis Persiflage "Caligula" - man sieht den Pseudo-Trailer mit echtem Gore-Vidal-Interview - hätte auf dem US-Markt sicher keine Chancen. So genau darf dort niemand die antike Lüsternheit kennen lernen. Drei Beispiele, dass Videokunst etwas anderes sein muss als Dilettantenfilm.<BR><BR><P> </P>

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