Vom Esprit leichtlebiger Damen

- Wie immer, wenn das Münchner Rundfunkorchester zur konzertanten Oper einlädt, stimmen die Voraussetzungen: Das Werk ist kein Dauerbrenner auf deutschen Bühnen, die Sängercrew durchwegs jung und unverbraucht, und der stilsichere, temperamentvolle Zugriff durch Marcello Viotti ist ohnehin Ehrensache. Doch bei der sonntäglichen Aufführung von Jules Massenets "Manon" im Münchner Gasteig fehlte eine Säule: Marcello Viotti, der frühere Chefdirigent des Ensembles.

<P>Für ihn sprang kurzfristig der junge Spanier David Gimenez ein, der mit viel Gespür fürs französische Raffinement ans Werk ging. Wie apart, wie inspiriert und nicht überzuckert Massenets Musik zum sentimentalen Sujet gearbeitet ist, ließ sich gerade in der ganz aufs Musikalische konzentrierten Version besonders gut beobachten. Massenets Melos, seine delikate Instrumentierung, seine treffsichere Charakterisierung und sein Geschick, Stimmungen und Situationen klanglich auszuleuchten, sind so ausgeprägt, dass die Geschichte der Manon Lescaut auf dem Konzertpodium plastisch lebendig wurde. Zunächst in den vitalen Chorszenen, die der von Udo Mehrpohl einstudierte BR-Chor zu "lebenden Bildern" machte. <BR><BR>Esprit und Heiterkeit beflügelten auch die leichtlebigen Freundinnen Manons (Christine Buffle, Blandine Staskiewicz, Elodie Mechain), die dem komischen Guillot (Rodolphe Briand) den Kopf verdrehten. Über den reichen Bretigny (Olivier Heyte), den alten, bassgewaltig mahnenden Grafen (Dan Dumitrescu) bis zum kraftvoll-elegant tönenden Lebemann Lescaut (Jean-Luc Chaignaud) stimmte der Rahmen für das Liebespaar.<BR><BR>Alexia Voulgaridou bezauberte mit leichtem, beweglichem, wie Porzellan schimmerndem Sopran als flatterhafte Manon. Kraftvoll in der Mittellage und mit stets gerundeter Höhe traf sie aber auch die dramatischeren Töne der wahrhaft Liebenden. Mit metallischem Glanz und sicheren Spitzentönen (warum nur verengt er sie?) machte Jose Bros den Des Grieux zum adäquaten Partner. Großer Beifall für alle. <BR></P><P> </P>

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