Estnischer Leuchtturm

- Ganz im Zeichen des Rhythmus' stand das sommerlich kurze Abokonzert der Münchner Philharmoniker am Mittwoch im Gasteig. Dennis Russell Davies am Pult garantierte für Zeitnahes bis Zeitgenössisches, das mit "Lighthouse" (Leuchtturm) des aus Estland stammenden Erkki-Sven Tüür den Abend eröffnete.

Schon in Tüürs Hommage an Bach, die die Philharmoniker als Streicherpanorama entfalteten, spielt der Rhythmus eine wichtige Rolle. Gerade dann, wenn Polyrhythmisches vielschichtig übereinander geschoben wird, hat das Stück seine stärksten Momente.Obwohl nicht alles präzise getroffen schien, leistete "Lighthouse" gute Vorarbeit für das nachfolgende zweite Klavierkonzert von Schostakowitsch. Davies und die Philharmoniker - im Kopfsatz besonders die Holzbläser - fanden einen burlesken, bis ins Groteske getriebenen Ton für den höchst plastisch, ja theatralisch intonierten Eröffnungsmarsch, in dem die junge Maki Namekawa am Klavier ihren Part kraftvoll ausspielte. Gehen Orchester und Solistin im Kopfsatz eher eigene Wege, so dominiert im herrlich singenden Andante das Klavier - von der "Klage" der Streicher herausgefordert. Sie liefern dann nur noch dunkle Grundierung für die Fantasien des Soloinstruments. Bevor das Finale mit flotten Stakkati ins Reich des Grotesken zurückführt, von Maki Namekawa temperamentvoll und plastisch herausgearbeitet.Sozusagen als letzte Stufe im Rhythmus-Programm stand Strawinskys Ballett "Petruschka" auf dem Programm. Davies ließ die Philharmoniker ein klangsattes, farbüppiges Bild mit filmisch aufrauschenden Jahrmarktsszenen entwerfen. Besonders hübsch tönten die apart kolorierten Walzer. Zuletzt mischten auch Blech und Schlagzeug entscheidend mit und "versetzten" Petrouchka den Todesstoß. Das Publikum bedankte sich freudig.

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