Euphorische Stimmung

- Es mag Zufall gewesen sein, sicher. Aber vielleicht auch ein himmlisches Zeichen. Gerade als David Gilmour mit seiner Band den Pink-Floyd-Klassiker "Shine on You Crazy Diamond" anstimmt (das Intro wird auf Weingläsern gespielt), beginnt es zu regnen. Und auf dem Münchner Königsplatz herrscht mit einem Mal euphorische Stimmung. Zuvor hat die Gemeinde wohlwollend dem Vortrag des neuen Solo-Werks "Onan Island" gelauscht, aber nicht unbedingt echte Begeisterung erkennen lassen, auch wenn sich Gilmour in brauchbarem Deutsch Mühe gibt, für die neuen Lieder zu werben. Aber nun, im Platzregen, explodieren die Emotionen förmlich, es wirkt wie eine Befreiung.

Jene Zuschauer, die bei solchen Konzerten immer nur dabei sind, weil man eben dabei gewesen sein will, verlassen das Areal; einem ruft ein sichtlich aufgeräumter Gilmour ein fröhliches "Tschüss" hinterher. Die echten Fans stürmen nach vorne, und es beginnt ein wunderbares, unvergessliches Open-Air-Konzert. Bei Gilmour mag das zunächst gemischte Gefühle hervorgerufen haben.

chließlich ist für den mittlerweile 60-Jährigen das Kapitel Pink Floyd erklärtermaßen erledigt. Aber Gilmour weiß natürlich auch, dass die 20 000 Zuschauer hier sind, weil er die Stimme und Gitarre von Pink Floyd war - so wirbt er ja auch selber. Also fügt er sich in sein Schicksal und hat sichtbar schnell selber Freude daran.

Ungewohnt minimalistisch und vom früheren Bombast befreit, wirkt die Interpretation alter Hits wie "Fat Old Sun" bemerkenswert frisch. Das Publikum feiert den innovativen Ansatz euphorisch und treibt Gilmours wunderbare Band (mit dem ehemaligen Pink-Floyd-Kollegen Rick Wright am Keyboard) trotz Sauwetters zu einer großartigen Vorstellung an. David Gilmour verabschiedet sich mit "Comfortably Numb" aus dem Album "The Wall" und einem furiosen Solo auf seiner Gitarre, der er immer noch diesen unverwechselbaren, sphärischen Klang entlockt. Klatschnass und glücklich ist man danach - solche Abende erlebt man nicht oft.

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