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Erstmals hinter der Kamera: Ewan McGregor.

Interview zum Kinostart

Selbst sein Gärtner gab McGregor Ratschläge

San Sebastián - Als Schauspieler drehte er mehr als 60 Filme, von „Trainspotting“ bis zu „Star Wars“. Nun hat sich Ewan McGregor erstmals hinter die Kamera gewagt: Sein Regiedebüt „Amerikanisches Idyll“, das am Donnerstag in die Kinos kommt, ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Philip Roth. Wir trafen den 45-jährigen Schotten zum Gespräch.

Wieso haben Sie sich für Ihre erste Regiearbeit einen so komplexen Stoff ausgesucht?

Ewan McGregor: Seit Jahren sollte ich die Hauptrolle in dieser Romanadaption spielen, diverse Regisseure kamen und gingen, das Projekt wurde immer wieder verschoben und drohte schließlich zu platzen. Da beschloss ich, selbst einzuspringen, weil ich ohnehin seit 15 Jahren mit dem Regieführen geliebäugelt habe – und weil ich unbedingt wollte, dass diese Geschichte verfilmt wird.

Was hat Sie daran so gereizt?

Ewan McGregor: Der Vater-Tochter-Konflikt. Im Film spiele ich einen Mann, dessen einzige Tochter als Terroristin im Untergrund abtaucht. Im wirklichen Leben habe ich vier Töchter und weiß, wie sich das anfühlt, wenn Kinder anfangen, gegen ihre Eltern zu rebellieren. Zwar habe ich nie ein Mädchen auf so tragische Weise verloren wie meine Filmfigur, aber als meine älteste Tochter vor zwei Jahren von Los Angeles, wo ich mit meiner Familie wohne, zum Studieren nach New York ging, fand ich das auch schon sehr schmerzhaft.

Wird man nicht schizophren, wenn man gleichzeitig vor und hinter der Kamera steht?

Ewan McGregor: Nein, ich fand das überhaupt nicht verwirrend. Für mich waren das auch nicht zwei verschiedene Jobs – es ging einfach darum, diese Geschichte zu erzählen. Ich habe jedenfalls keine Sekunde daran gedacht, die Hauptrolle umzubesetzen! (Lacht.)

Von wem haben Sie am meisten über das Regieführen gelernt?

Ewan McGregor: Als Schauspieler hatte ich das Privileg, diverse Regisseure bei der Arbeit beobachten zu können. Als Regisseur können Sie sich ja schlecht am Set eines Kollegen einschmuggeln. Ich habe von allen etwas gelernt – entweder, wie man es am besten macht, oder aber, wie man es lieber nicht machen sollte. Besonders wichtig finde ich es, als Regisseur seinem Instinkt zu vertrauen.

Haben Sie sich Rat von berühmten Filmemachern geholt?

Ewan McGregor: Nein. Als ich erzählte, dass ich meinen ersten Film inszenieren würde, hatte plötzlich jeder irgendwelche Ratschläge für mich – sogar mein Gärtner! Ein befreundeter Regisseur meinte zu mir: „Das Entscheidende ist, dass du alles minutiös geplant hast, bevor die Schauspieler ans Set kommen – sonst versauen sie dir den ganzen Film.“ Und ich dachte: Was zum Teufel redest du da? Das ist das Gegenteil von dem, was ich wollte! Als Schauspieler habe ich es immer gehasst, wenn mich Regisseure vor vollendete Tatsachen gestellt haben.

Was wollten Sie stattdessen?

Ewan McGregor: Mir war es wichtig, dass die Filmfiguren gut gezeichnet sind und die Akteure zeigen können, was sie draufhaben. Technischer Schnickschnack oder extravagante Kamerafahrten haben mich nicht interessiert.

Gab es jemals Selbstzweifel?

Ewan McGregor: Natürlich. Am Tag, bevor ich die Darsteller erstmals am Set treffen sollte, bekam ich plötzlich eine Panikattacke, weil ich furchtbar Schiss vor ihren Fragen hatte. Zum Glück habe ich Eve, meine Frau, mit der ich alles teilen kann und die mich immer wieder aufbaut. Ich rief sie also an und heulte: „Hilfe! Worauf hab ich mich da nur eingelassen?“ Und sie meinte: „Keine Angst, das wird schon!“

Hat  es Sie verletzt, dass viele Kritiker Ihren Film regelrecht geschlachtet haben?

Ewan McGregor: Ich drehe keine Filme, um Kritikern zu gefallen. Und ich habe schon zu Beginn meiner Karriere festgestellt, dass mich Verrisse zu sehr aufregen. Darum lese ich schon lange keine Rezensionen mehr. Ich wünschte nur, meine Freunde würden das auch tun. Denn seit der Premiere werde ich in E-Mails gefragt: „Geht’s dir gut? Oder brauchst du Trost?“ Daraus schließe ich, dass mein Film wohl bei manchen Kritikern nicht besonders gut ankam. (Lacht.)

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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