Exakte Attacke

- Gutrune im Keller vernascht, Siegfried mittels Speer gemeuchelt, Gunther erschossen - und dann, typisch Ring-Logik, auch noch den Dezibelrekord beim Beifall geschafft. Dem ultimativen Hagen in der Gestalt Matti Salminens sei's gegönnt. Obwohl er meist sitzend Unheil verströmen muss (Warum eigentlich?), beherrscht dieser monumentale Unglücksengel die Bühne des Münchner Nationaltheaters. Und aus der Kehle tönt's so einschüchternd, oft brutal auftrumpfend, dass Gibichungs zitterten - und das Haus raste: Der hätte im Grunde keinen Speer gebraucht. . .

<P>Doch bei allem Respekt vor Salminens Edel-Ekel, diese "Götterdämmerung" war ihre Vorstellung: Gabriele Schnaut befindet sich in bestechender Form. Überraschend leicht manövriert sie ihr hochdramatisches Material durch die Partie, singt mit exakter Attacke, mit genau kontrolliert und berührenden Lyrismen. Vorbehaltlos stellt sie sich hinter David Aldens Regie, die das Wotanskind als wissende, kettenrauchende Chronistin zeichnet, und macht die Partie damit zu ihrer ureigenen Angelegenheit, wie's zuvor am selben Ort nur in Wernickes Elektra geschah.<BR><BR>Überwältigender Klangsinn</P><P>Wer sollte neben diesem imponierenden Porträt bestehen? Im Grunde nur Stig Andersens kreuzbraver, bebrillter Siegfried im Karo-Sakko, ein Darsteller von Ausnahmerang, dessen Tenor im zweiten Akt kurzzeitig an Substanzverlust krankte, gegen Ende sich jedoch erholte.<BR><BR>Aber das singuläre Ensemble kann darüber nicht hinwegtäuschen: Aldens Inszenierung bietet allenfalls punktuell Intelligentes oder Humoristisches, gaukelt ansonsten mit Kino- und Kunst-Reminiszenzen Tiefsinn nur vor.<BR><BR>Ungeteilter Jubel auch für den kraftvoll-samtigen Juha Uusitalo (Gunther), Nancy Gustafsohn (Gutrune), Margarita De Arellano, Ann-Katrin Naidu und Hannah Esther Minutillo als scharfe Rheintöchter im Glitzerfummel sowie Marjana Lipovsek (Waltraute) und Franz-Josef Kapellmann (Alberich).<BR><BR>Zubin Mehta und das Staatsorchester formten die Vor- und Zwischenspiele mit überwältigendem Klangsinn. Der Detailreichtum, die Finesse, auch das hörbar ausgestellte Wissen um motivische Querverweise bestachen, weniger manch beherztes Überschreiten der Schmerzgrenze. Dennoch ein würdiger Abend für die Wagner-Stadt - bis auf diese dumme Panne: Die Übertitel versagten. Denn Deutsch kann's ja nicht gewesen sein, was über weite Strecke von der Bühne drang. . .</P>

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