Exklusiver Querschnitt

- Münchens Oberbürgermeister Christian Ude ist "froh, der Peinlichkeit enthoben zu sein, Bierhumpen oder Zinnteller als Gastgeschenke überreichen zu müssen". Zum zweiten Mal hat ihn die Stadtsparkasse München gerettet. 1992 wurden mit der ersten "München Edition" hochrangige Druckgrafiken heimischer Künstler an die Stadt übergeben, jetzt waren es wieder 20 Mappen mit je acht Bildern. Ein Satz wird künftig die Amtsräume zieren, die anderen Exemplare der auf 35 Stück limitierten Edition werden wohl in alle Welt gehen. Helmut Friedel, Leiter des Lenbachhauses, hat mit seiner Auswahl dafür gesorgt, dass daraus keine Blamage wird, sondern ein Querschnitt durchs aktuelle Münchner Kunstschaffen.

Allerdings sind es bei weitem nicht nur gefällige Grafiken: Dietmar Tanterl zum Beispiel steuert ein schwarzes Blatt mit einer minimalistischen Raumlinie bei, das für architektonisches Gepräge sensibilisieren soll. Franz Ackermann fügt Landschaften aus der Vogelperspektive zu einem abstrakten Konglomerat zusammen. Und Daniel Man verbindet Darstellungen von Medusen und Kieselalgen zu einer zarten Assoziation eines Abendmahl-Kelches.

Die Fotografien sind da leichter zu konsumieren: Michael Wesely hat einen Abend lang ein Oktoberfestzelt belichtet und brodelnde Bierseligkeit festgehalten. Stephan Huber lässt einen Träger einen luxuriösen Kronleuchter wie ein Joch aus der Wohnung schleppen. Und ein beleibter Urs Lüthi postiert selbst als Karikatur des Fitness-Wahns. Münchens geehrte Beschenkte müssen also künftig schon einen Sinn für Kritik haben.

Bei empfindlicheren Seelen kann sich die Stadt mit Beate Passows Interpretation eines Gemäldes von Lucas Cranach aus der Alten Pinakothek präsentieren: Ohne Jesus am Kreuz erhält das Bildnis des Kardinals von Brandenburg einen bissigen, aber auch religiös-transzendenten Charakter. Ästheten schließlich sind mit Mojé´ Assefjah bestens bedient: Ihr Linolschnitt präsentiert einen roten Vorhang vor mediterraner Landschaft und entspricht damit genau so manchem Münchner Wunschdenken.

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