Exotische Singspiele

- Jahrzehntelang wurde die größte Filmindustrie der Welt im Westen ignoriert. Obwohl in Indien jährlich bis zu 1000 Filme gedreht werden und pro Tag über zehn Millionen Inder ins Kino gehen, galten Produkte aus "Bollywood" bestenfalls als Kuriosum. Für westliche Betrachter sind die exotischen Singspiele durchaus gewöhnungsbedürftig: In melodramatischen Epen ringen stark geschminkte Damen und Herren mindestens drei Stunden lang miteinander um die Liebe. Und weil man in Indien nicht viel von nackter Haut oder Intimitäten auf der Leinwand hält, benutzt man Gesang und Tanz um Gefühlsaufwallungen darzustellen oder Konflikte auszutragen.

Seit einigen Jahren erfreuen sich die indischen Glücklichmacher auch in den USA und Europa zunehmender Beliebtheit. Da kommt die erste Indische Filmwoche also genau zum richtigen Zeitpunkt. Vom 10. bis 14. Oktober werden im Münchner Arri-Kino fünf neue Werke aus Indien gezeigt. Veranstalter ist der Freistaat Bayern, der traditionell enge wirtschaftliche Beziehungen zu Indien pflegt - und zwar seit 500 Jahren, wie man in der Staatskanzlei stolz anfügt.

Schon der Eröffnungsfilm "The Rising" (Montag, 19.30 Uhr) ist für Bollywood-Fans eine Überraschung. Neben der unverzichtbaren Liebesstory wird subtil und intelligent indische Geschichte aufbereitet. Der Held ist ein Inder, der im 19. Jahrhundert in der britischen Besatzungsarmee dient, aber zum Widerstandskämpfer wird, als die Kolonialherren den Bruch mit religiösen Traditionen fordern, um so die Identität der Inder auszulöschen.

Auch "Black Friday" (Donnerstag, 19.30 Uhr) überrascht mit einem brisanten Thema: Bombenanschläge in Bombay töten 200 Menschen. Bei den Ermittlungen stellt sich heraus, dass muslimische Extremisten dafür verantwortlich sind. Damit sollte die Zerstörung von Moscheen durch fanatische Hindus gerächt werden. Am Ende bleibt - eher untypisch für Bollywood - ein Gefühl der Ratlosigkeit. Und dann gibt es auch Beispiele der Kunst, abendländische Klassiker für das indische Kino zu bearbeiten. In "Baghban" (Dienstag, 19.30 Uhr) vererbt ein Paar schon zu Lebzeiten sein Vermögen an die Kinder, die in der Folge nichts mehr von den Eltern wissen wollen - "König Lear" auf Hindi.

Infos: www.bayern.de/indischewoche.

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