Exotische Vögel

- Die Berliner Philharmoniker unter Leitung von Simon Rattle zum Abschluss des fünfwöchigen Salzburger Festspielmarathons: Das dürfte zu den Höhepunkten dieses inzwischen in seiner konzeptionellen Struktur umstrittenen Festivals gezählt werden. Mit Claude Debussys "La Mer" und Olivier Messiaens "Éclairs sur l'Au-Delà " bestritten sie den ersten von zwei Abenden im Großen Festspielhaus.

<P>Zweifellos übt allein die Erscheinung der Künstlerpersönlichkeit Simon Rattles eine große Sogkraft aus. Gleich Poseidon, der mit seinem Dreizack Seesturm und Erdbeben hervorrufen und die Beruhigung der Meeresoberfläche wiederherstellen kann, gelang es Rattle mit seinem Taktstock, eben jenen Charakter des Meeres, der doch so unfassbar und ungestüm ist, zu skizzieren. Das ihm bei dieser musikalischen Nachschöpfung der Naturgewalten ein Klangkörper von hoher Kreativität und Präzision zur Verfügung steht, erleichtert noch die leidenschaftliche und thematische Gestaltung.</P><P>Über welche Transparenz der riesige Orchesterapparat der Berliner Philharmoniker verfügt, zeigte sich anschließend auch in Olivier Messiaens einstündiger Komposition "Éclairs sur l'Au-Delà" ("Streiflichter über das Jenseits"). Doch täuscht das exorbitante Instrumentalistenaufgebot mit 128 Musikern, darunter 16 Schlagzeugern. Die elf Sätze, denen Visionen der Johannes-Apokalypse zugrunde liegen, setzen vor allem auf vielschichtige, verklärende Klangwirkungen, statt auf monumentale Rhythmen.<BR><BR>Stilistisch umfassen sie verschiedene Stilperioden Messiaens. Den transparenten Klängen, Farben und Formen lässt Rattle auch hier genügend Raum mit seiner subtilen Ausdeutung. 48 exotische Vögel aus aller Welt dürfen bei Messiaen in den "É´clairs" singen, hörbar vom einzelnen bis hin zu 35 verschiedenen auf einmal. Ausgesprochen souverän und wohlklingend bereits der eröffnende, langsame und feierliche Choralsatz der Holz-und Blechbläser, denen dann im Verlauf bis zum endgültigen Ankunftsmoment im elften Satz ein feinsinnig ausgelotetes Wechselspiel aller Instrumentalgruppen folgte.<BR></P>

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