Exotischer Besuch aus der Schweiz

- Eine starke Sonne verteilt rigoros Licht und Schatten auf dem Bild: Kräftig leuchten die hellen Tongefäße, der Rest der Werkstatt versinkt im Dunkel. Vom Licht beschienen, hebt sich der Töpfergehilfe im Kaftan vom gebeugt arbeitenden Meister ab. Licht und Schatten strukturierten auch die Lebenswelt der Fotografin dieser Szene: Annemarie Schwarzenbach, 1908 in einer der reichsten Schweizer Familien geboren, fand sich nicht zurecht zwischen großbürgerlichen Privilegien und Depression, zwischen unglücklicher Liebe, Drogensucht und unstillbarem Freiheitsdrang. Und sah sich bedroht von der politischen Situation Europas in den 30er-Jahren.

<P>1939 brach sie mit der Reisereporterin Ella Maillart, einer sportlichen Genferin, nach Afghanistan auf, wo dieses Foto entstand. In einem Ford und ausgerüstet mit hochwertigen Kameras waren beide unterwegs, was im rückständigen arabischen Raum exotisch wirkte. Die Monacensia zeigt derzeit das Projekt des Schweizer Migros-Kulturprozent: "Der bittere Weg" ist eine Ausstellung der Fotografien und Texte dieser Schweizer Reiseschriftsteller, zu denen als Dritter im Bunde Nicolas Bouvier zählt, der 1953/54 in der Nachfolge der Frauen Afghanistan besuchte.</P><P>Bindeglied dieser Autoren nach München ist Annemarie Schwarzenbach, die seit 1930 mit Erika und Klaus Mann befreundet war. Pläne einer gemeinsamen arabischen Reise mit dem Freund Ricki Hallgarten scheiterten an dessen Selbstmord. Für die Mann-Geschwister war Annemarie, ein wenig abschätzig, das "Schweizerkind". Klaus Mann stand sie wegen ihrer Homosexualität und Drogensucht näher als der lebensfrohen Erika. Thomas Mann war vor allem von der androgynen Schönheit Schwarzenbachs fasziniert.</P><P>Ein interessanter Bildreiseführer sind die 69, nach nicht ganz einleuchtenden Kriterien gehängten Fotos. Was allerdings der besondere Blick dieser Afghanistan-Reisenden war, in welcher Weise ihre Eindrücke die Vorstellung von diesem Land beeinflussten oder welche Erfahrungen ihren Blickwinkel auf die Fremde bestimmten, wird auch nicht in den wenigen Textzitaten deutlich, die unter einigen Fotos hängen.</P><P>Um sich ein besseres Bild zu machen, empfiehlt sich zum einen, den Briefwechsel zwischen Schwarzenbach und den Mann-Kindern zu sichten, der zum Monacensia-Bestand gehört und der Wanderausstellung exklusiv angefügt wurde. Zum anderen wollen die Schriftsteller gelesen sein: "Was weiß ich, wie man lebt im Schatten des Tschador", wunderte sich Schwarzenbach einmal. Und stellt sich anderswo die Frage: "Aber waren diese Frauen besonders unglücklich? Und war es richtig, nötig, sie zu bilden und aufzuklären und ihnen den Stachel der Unzufriedenheit zu geben? Als wir von Kabul aus die versprochenen Schnittmuster nach Kaisar schickten, leisteten wir auch einen winzigen Beitrag zu den Folgen dieser Gesetze. Wir bekämpften den Tschador!" Und das ist über 60 Jahre her . . .</P><P>Bis 14. Mai (Mo. bis Mi. 9-17 Uhr, Do. 10-19 Uhr, Fr. 9-15 Uhr; Maria-Theresia-Str. 23).</P>

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