Exotisches mit Presslufthammer

- Strauss-Abende sind rar im Nationaltheater. Aber wenn es mal dazu kommt: Muss man einem die Musik gleich so einbläuen wie Dirigent Peter Schneider? Gewiss, "Die Frau ohne Schatten" kann es partiturgemäß mit jedem Presslufthammer aufnehmen. Doch etwas mehr Pastell- statt dicke Ölfarbe, etwas mehr zartsinnige Klanglichkeit statt brachialer Attacke hätte der Aufführung gut getan. Vor allem den teils neu besetzten Sängern.

<P>Denn je dramatischer etwa Deborah Polaski agieren musste, desto faseriger, substanzärmer wurde ihr Sopran - was schade war, überzeugte doch ihre Färberin durch eine ganz natürliche Ausstrahlungskraft. Jan-Hendrik Rootering, der sich als Bass immer öfter ins Heldenbariton-Fach wagt, ist kein idealer Barak: vokal zu monochrom, darstellerisch zu zurückhaltend; und wenn die Partie viriles Auftrumpfen verlangte, zog sich Rootering auf eine gedeckte, etwas mulmige Tongebung zurück. Nicht nur in seinem Fall dürfte das Publikum dankbar auf eine Neuerung geblickt haben - deutsche Übertitel bei deutschen Opern, das gab es bislang nur bei Reimanns "Bernarda Albas Haus".<BR><BR>Jon Fredric West warf sich mit forciertem Imponiergehabe in die Kaiser-Partie, Jane Henschels Expressivität als Amme war effektvoll, doch oft an der Stimmgrenze. Einzig Eike Wilm Schulte (Geisterbote) und Luana DeVol, die Premieren-Kaiserin, blieben auf ortsangemessenem Strauss-Niveau. Und dass sich Regisseur Ennosuke Ichikawa der symbolistischen Melange à` la Hofmannsthal mit exotischem Kabuki-Kitsch näherte: Geschmackssache, aber stets etwas fürs Auge. Und manchmal gefährlich fürs Personal - wie das Straucheln von DeVol und West zeigte.<BR></P>

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