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„Dolmetscherin“: Diese hat jetzt klargemacht, dass es am 23. April eine Aufführung mit Dolmetscherin gibt.

Experiment: "Kaktus" am Volkstheater in Gebärdensprache

München - Experiment am Münchner Volkstheater: Erstmals wird ein Stück in Gebärdensprache gezeigt. Gebärdensprachdolmetscherin Simone Hofmüller übersetzte „Kaktus“, um das Stück simultan zeigen zu können.

Das Stück „Der Kaktus“ von Juli Zeh wird am Münchner Volkstheater erstmals in Gebärdensprache übersetzt. Wir trafen die staatlich geprüfte Gebärdensprachdolmetscherin Simone Hofmüller, die freiberuflich an der Uni und am Theater übersetzt. Am 23. April werden die 35-Jährige und eine Kollegin erstmals die Aufführung am Münchner Volkstheater dolmetschen.

Wie kam es zu der Idee, den „Kaktus“ in Gebärdensprache zu übersetzen?

Mein Mann ist Schauspieler und kennt deshalb Christian Stückl, den Intendanten des Volkstheaters. Als Herr Stückl von der Idee hörte, das Werk auch Gehörlosen näherzubringen, reagierte er sehr offen und stimmte dem Vorschlag zu. Es dauerte dann noch zwei lange Jahre, bis die Arbeit an der Übersetzung beginnen konnte.

Wie gehen Sie dabei vor? Welche Schritte sind nötig?

Zuerst habe ich den Text gelesen und mir danach die Inszenierung live und auf Video mehrere Male angesehen. Dann ging es an die eigentliche Übersetzung. Man muss bedenken, dass sich die Gebärdensprache von der Lautsprache immens unterscheidet, denn die Grammatik ist anders aufgebaut. In der Gebärdensprache folgen auf ein Subjekt erst Objekt und dann Prädikat. Ich muss also alle Sätze umstellen und gerade bei längeren Passagen kann es passieren, dass ich sie komplett neu formulieren muss. Das Einzige, was dann gleich bleibt, ist der Inhalt. Für Hörende würde sich das Ergebnis solch einer Übersetzung sehr fremd anhören.

Warum dolmetschen Sie das Stück nicht allein?

Zum einen gibt es ja vier Rollen, die kann ich nicht alle übernehmen. Deswegen werden sie zwischen meiner Kollegin und mir aufgeteilt. Außerdem lässt die Konzentration nach etwa 20 Minuten stark nach, ein perfektes Dolmetschen ist dann fast unmöglich. Da ist es gut, auf der Bühne einen Partner zu haben, damit man wenigstens ein paar Momente durchschnaufen kann.

Aber die Gehörlosen kriegen von der Atmosphäre und den Geräuschen nichts mit, oder?

Doch, denn ich erkläre in einer Simultan-Übersetzung auch die Geräusche. Ich muss also das Stück und die Inszenierung mit all ihren Ausschmückungen im Kopf haben, das ist am Anfang ziemlich anstrengend. Das Wichtigste ist aber immer noch der Text. Sollte also zu viel aus dem Background kommen, muss ich bei der Übersetzung darauf verzichten.

Laufen Sie in dieser Vorstellung wie in anderen auch den Schauspielern nach?

Normalerweise verfolge ich die jeweiligen Rollen wie einen Schatten. Diesmal funktioniert das aber nicht. Diese Bühne im Volkstheater ist so klein, dass wir am Rand stehen bleiben müssen. Das ist schade, denn die Gehörlosen müssen beim Zuschauen ständig von den Schauspielern zu den Dolmetschern wechseln, um alles mitzuerleben und zu verstehen. Manche empfinden das als unangenehm, aber man kann es leider nicht ändern.

Hatten Sie außer den Platzgründen noch mit anderen Schwierigkeiten zu kämpfen?

Ja, und zwar mit dem Wortwitz im „Kaktus“. Man glaubt gar nicht, wie viele zweideutige Ausdrücke in der Lautsprache stecken. Gehörlose verstehen weder Wortwitze noch Ironie, deswegen ist es letztlich meine Aufgabe, ein passendes Äquivalent zu finden.

Wird man Sie dann öfter im Volkstheater beim Dolmetschen treffen?

Ich glaube nicht, denn die Gehörlosen haben neben einer eigenen Sprache auch eine eigene Kultur. Sie bleiben gern unter sich, weil sie in der Welt der Hörenden immer eine Ausnahme bilden werden. Die Annäherung von Hörenden und Gehörlosen auf dem kulturellen Wege begrüße ich natürlich, aber die Tauben haben auch ihr eigenes Theater und vor allem ihren eigenen Stolz.

Das Gespräch führte Julia Mayer

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