Experte für Düsteres

- Immer dann, wenn die Musik - die Welt - fast still zu stehen scheint, wenn Wehmut und Trauer, Abschiedsschmerz und Weltverlorenheit die Seele erfüllen, erreicht Matthias Goerne den Gipfel seiner Kunst. Da rührt er mit Goethe und Schumann im schlichten "Nachtlied" ans Existenzielle. Und jeder Zuhörer wünscht sich, dass dieses "Über allen Gipfel ist Ruh" nie enden möge.

<P>Viel Schumann und ein wenig Strauss (Mahler war leider gekippt) hatte der junge Bariton im Gepäck, als er mit seinem Begleiter Eric Schneider erstmals bei den Richard-Strauss-Tagen in Garmisch-Partenkirchen auftrat. Dass die Stimmung sich bei seinem Liederabend nur selten aufhellte, Kontraste sich kaum auftaten, mag manchen gestört haben. Aber da Goernes Spezialität im Düsteren, im Verhangenen liegt, kam sie bestens zur Geltung.</P><P>Dunkler ist auch die Stimme geworden, die sich vom lyrisch baritonalen zum bassigeren Klang hinneigt. Dabei aber gottlob viel von ihrer natürlichen Leichtigkeit bewahrt hat. Unprätentiös und uneitel wie sein gesamtes Auftreten sind auch sein Gesang, seine klare Textbehandlung. In der Schlichtheit offenbart sich der Stil: Im wunderbaren "Der Himmel hat eine Träne geweint" oder "Zum Schluss", aber auch in "Der Einsiedler" und "Abendlied". Goerne wählt gerne das nicht so Bekannte oder setzt das allzu Bekannte dahin, wo es niemand erwartet: Strauss' "Zueignung" etwa an den Beginn. Da hört man sie auf einmal wie neu, so gar nicht pompös und in sich selbst schlüssig.</P><P>Bei Strauss ließ er auch Komödiantik aufblitzen im köstlichen "Ach weh mir unglückhaftem Mann", bevor er wieder zu Schumann wechselte und in Chamissos schaurig-schöner Ballade vom grausigen Schicksal der "Löwenbraut" berichtete. Großer Beifall, Bravos und Blumen für Goerne und seinen soliden Klavierpartner.</P>

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