US-Präsident Trump droht mit totaler Vernichtung Nordkoreas

US-Präsident Trump droht mit totaler Vernichtung Nordkoreas
+
Persiflage auf Terrorangst und Sinnsuche: „Demut vor Deinen Taten Baby“ von Laura Naumann mit Ann Kathrin Doerig, Isabell Giebeler und Christina Huckle bietet hochtourige 50 Minuten.

Festival im Münchner Volkstheater

Da explodiert das Lebensglück

München - Noch bis zum kommenden Freitag zeigen junge Regisseure aktuelle Arbeiten bei „Radikal jung“ im Münchner Volkstheater. Zum Auftakt gab es Theaterglück und Ärgerliches.

Der Start in diese neunte Auflage des „Festivals junger Regisseure“ war so ungewöhnlich wie stimmig. Ungewöhnlich, weil mit Daniela Löffners Inszenierung von Gorkis „Kinder der Sonne“ die Arbeit einer Regisseurin „Radikal jung“ eröffnete, die etwas macht, was in ihrer Generation oft verpönt zu sein scheint: Sie vertraut dem Text. Löffner, geboren 1980 in Freiburg, hat das Stück aus dem Jahr 1905 genau gelesen und ohne postdramatische Mätzchen inszeniert, was erzählt wird: das Scheitern der Eliten. Und das ist alles andere als antiquiert.

Stark besetztes Ensemblestück aus Zürich

So ist dieser Abend vom Schauspielhaus Zürich eine erstaunlich reife Arbeit, stimmig und unterhaltsam umgesetzt und sicher verortet auf dem schmalen Pfad zwischen Komödie und Tragödie, den Gorki vor mehr als 100 Jahren beschritten hat. Es ist ein Abend, der nur einen Fehler hat: „Kinder der Sonne“ war nur einmal in München zu sehen. Daniela Löffner brachte dafür Rainer Bock in die Stadt zurück: Der Schauspieler, der zu Dieter Dorns Ensemble am Staatsschauspiel gehörte, zeigt den Wissenschaftler Protassow als liebenswerten Autisten in Cordhosen. Zur Selbstreflexion unfähig, scheitert er am Zwischenmenschlichen.

Es ist ein Genuss, Bock dabei zuzuschauen. Auch, weil ihm ebenso wie der Regisseurin klar ist, dass „Kinder der Sonne“ ein Ensemblestück ist – stark besetzt sind alle Rollen: mit Julia Kreusch etwa, deren Lisa als Einzige zu erkennen vermag, wie es hinter den so heimelig-wohligen wie hermetisch abgeschlossenen Honigwaben zugeht, die Claudia Kalinski auf die Bühne gebaut hat.

Mit Sean McDonagh, der den Weltschmerz, der seinen Tierarzt Tschepurnoj letztlich in den Suizid treiben wird, hinter der Fassade des Suppenkaspers versteckt. Oder mit Franziska Machens, die anrührend zeigt, wie das Dienstmädchen Fima vom gesellschaftlichen Aufstieg träumt – und ausgenutzt wird. Bei dieser starken Leistung aller Schauspieler war es eine schöne Geste, dass sich am Ende stets das komplette Ensemble im Jubel verbeugte. Während Löffner durch genaue Lektüre und gewissenhaftes Inszenieren in Gorkis Drama für die Gegenwart Erzählenswertes fand, brachte Babett Grube ein Stück von Laura Naumann zur Uraufführung. „Demut vor Deinen Taten Baby“ persifliert temporeich und in Alltagssprache Terrorfurcht und Sinnsuche: Drei Frauen eint die Todesangst, als ein herrenloser Koffer auf der Flughafen-Toilette entdeckt wird, die sie zufällig zeitgleich aufgesucht haben.

Als klar ist, dass es sich um einen Fehlalarm handelt, sind die Frauen überglücklich – mit dem Gefühl, dem Tod entkommen zu sein, steigert sich ihre Lebensintensität. Eine Erfahrung, an der sie auch andere teilhaben lassen wollen. Fortan ziehen sie als Terrorsimulationstrio durchs Land: Wo sie auftreten, explodiert das Lebensglück.

Babett Grube, 1980 in Halle/ Saale geboren, stellt ihre Inszenierung am Theater Bielefeld ebenfalls in den Dienst des Textes. Mit Ann Kathrin Doerig, Isabell Giebeler und Christina Huckle hat sie drei Schauspielerinnen, die problemlos das Tempo der Inszenierung halten können. Dass sich der Druck dieser durchweg hochtourigen 50 Minuten zum Ende hin verflüchtigt, liegt weder an den Darstellerinnen noch an der Regisseurin, sondern am Stück (weitere Vorstellungen: heute, 18 und 21 Uhr).

Ein Abend wie der Psycho-Selbsttest aus dem Frauenmagazin

Die Performance „Mein Jerusalem“ ist neben der Uraufführung „Shall we dance“, die morgen bei „Radikal jung“ läuft, die erste Produktion aus Israel, die zum Festival eingeladen wurde. Eyal Weiser, 1975 in Tel Aviv geboren, und seine Schauspielerin Michal Weinberg spüren der fiktiven Biografie der ostdeutschen Fotografin Sabine Sauber nach, die verzweifelt ihren Platz im Leben sucht.

Leider tappt dieser Abend, der ästhetisch oft nicht über das Zitieren von Regie-Einfällen des Off-Theaters der Neunziger hinauskommt (schmerzhaft-laute Beats zu flackernder Videoeinspielung), in eine selbst gebaute Falle: Banales aus dem Leben dieser Frau (und seien es Haare, die sie im Schlafzimmer ihres Vaters findet) wird derart bedeutungsschwer präsentiert und interpretiert, dass wirklich relevante Themen (Folgen der deutsch-deutschen Teilung; Lage von Israelis und Palästinensern) nichtig erscheinen. So wirkt der spröde Abend aufgeblasen und falsch gewichtet, als habe Weiser den Psycho-Selbsttest eines Frauenmagazins inszeniert (nächste Vorstellungen: morgen, 18.30 und 21 Uhr).

Kontrovers geht es heute bei „Radikal jung“ weiter, mit „Breiviks Erklärung“ von Milo Rau. Welche der zehn Inszenierungen indes den Zuschauern am besten gefallen hat, steht am Freitag fest, wenn der mit 2500 Euro dotierte Publikumspreis verliehen wird, den die „Freunde des Münchner Volkstheaters“ gestiftet haben.

Michael Schleicher

Weitere Informationen:

www.muenchner-volkstheater.de; Karten unter Telefon 089 / 523 46 55.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Zurück in die Zukunft
Berlin. Harrison Ford und Ryan Gosling stellen in Berlin Szenen ihres neuen Kinofilms „Blade Runner 2049“ vor.
Zurück in die Zukunft
Nick Caves Leben – ein Bilderrausch
Reinhard Kleist legt zum 60. Geburtstag von Nick Cave eine eindrucksvolle Comic-Biografie des Künstlers vor.
Nick Caves Leben – ein Bilderrausch
Stararchitekt Albert Speer junior gestorben
Der Star-Architekt Albert Speer junior ist tot.
Stararchitekt Albert Speer junior gestorben
Konzertkritik: 2raumwohnung in der Muffathalle
2raumwohnung sind in der Muffathalle in München augetreten. Hier finden Sie die Konzertkritik.
Konzertkritik: 2raumwohnung in der Muffathalle

Kommentare