Extrem deutsch

- Mit ihrem ersten Roman wurde sie berühmt: "Klassenliebe". Das war 1973. Diesen Montag ist Karin Struck nach längerer Krankheit mit 58 Jahren in München gestorben. Obwohl die Schriftstellerin in ihrem Debüt ihre Jugend, die Zeit als Arbeiterin und ihre Liebe zu einem Intellektuellen thematisierte, wollte sie nie als "autobiografische Schreibende" gesehen werden.

Struck wurde bei Greifswald geboren. Ihre Familie floh 1953 aus der DDR. Nach dem Abitur studierte Karin Struck Romanistik, Germanistik und Politologie, bevor sie freie Schriftstellerin wurde. 1975 erschien ihr zweites Werk, "Die Mutter", das Heinrich Böll ein "extrem deutsches Buch, auf eine imponierende und beängstigende Weise" nannte. Danach kamen u.a. der Roman "Lieben" und die Erzählung "Trennung", die als der Fernsehfilm "Die Geschichte der Anna Wildermuth" bekannt wurde, heraus. Aufsehen erregte Struck, als sie dem Suhrkamp Verlag das Manuskript "Zwei Frauen" entzog, obwohl Siegfried Unseld es trotz seiner Kritik hatte veröffentlichen wollen. Aufsehen machte auch ihr Engagement gegen Abtreibung. Bei einer NDR-Diskussion zum Thema Schwangerschaftsabbruch geriet Struck 1993 derart in Streit mit Moderator Wolf Schneider und den Gästen, darunter auch der jungen Bundesministerin Angela Merkel, dass sie das Mikrofon von ihrer Kleidung riss und im Gehen ein Glas Rotwein durch die Luft schleuderte.

Eines der letzten Werke Strucks galt einer Kollegin: "Annäherungen an Ingeborg Bachmann - Zerstörung durch Männer: Monolog für eine Schriftstellerin".

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