Fade Schlachtschüssel

- Lange Schlangen an der Kasse trotz Pfingsten; Suche-Karte-Bettelnde vor dem Münchner Residenztheater. Shakespeares "Macbeth" in der Inszenierung von Jürgen Gosch aus dem Düsseldorfer Schauspielhaus eilt ein toller Ruf voraus. Von Standing Ovations wissen manche zu berichten. Zum Berliner Theatertreffen wurde die Produktion sowieso eingeladen.

Nach den drei - gefühlten fünf - Stunden ist dem Zuschauer jedoch klar: Auf all das darf man nichts geben. Schon erstaunlich, dass sich so eine Aufführung zum Renner entwickelt hat. Am schwersten trifft's solche, die sich an den nackten Tatsachen eines "Ganz oder gar nicht" ein bissl voyeuristisch laben wollten und nun das Drama mitbuchstabieren müssen. Ganzkörperblöße, viele Flaschen mit großzügig verteiltem Theaterblut, umgeworfene Möbel und lautstark vorgetragener Text sind auf die Dauer einfach nicht spannend; selbst wenn außerdem mit (falschem) Kot und echtem Mehl rumgesaut wird.

Am Anfang ist noch Hoffnung, als Gosch seine sieben Mannen losfetzen und mit sparsamen Theatermitteln eine Hooligan-Schlachtschüssel des Hochadels anrichten lässt. Lust und Leid des Metzelns, was "blutrünstig" bedeutet, werden sichtbar. Herrlich auch die Hexen als grotesker Auswurf der Hölle - fast wie bei Hieronymus Bosch. Und das war's.

Mit den Menschen, deren Geist und Seele können weder Regisseur noch Schauspieler etwas anfangen, also werden die Blut-Gags repetiert, und es wird getönt wie auf einer Freiluftbühne. Langeweile macht sich breit, Mitleid mit den Darstellern, die sich da mehr oder weniger nackt abarbeiten. Schwacher Trost vor dem finalen Blut-Gesuhle: der Wald von Birnam, ein Idyll voll von Vogelgezwitscher (der Schauspieler). Eine erfolgreiche Inszenierung eben.

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