Falckenbergschule im Kulturausschuss: Gegen kritische Einwände taub

München - Den Lehrern wurde das Reden untersagt, und die Schüler solllten per Verbot daran gehindert weden, an der gestrigen Sitzung des Münchner Kulturausschusses teilzunehmen. Sie kamen dennoch alle und nahmen auf der Zuschauertribüne des Rathaus-Sitzungssaals Platz. Und was die Falckenbergschüler hier erlebten, war ein glänzendes, 90-minütiges Schauspiel einer gut funktionierenden Scheindemokratie.

Die Meinungen waren festgelegt, die Befürworter erwiesen sich als taub gegenüber jedem kritischen Einwand, es herrschte Fraktionszwang, von Anbeginn war klar: Der Antrag auf einen Tarifwechsel für neu einzustellende Schauspiellehrer der den Kammerspielen zugehörigen Otto-Falckenberg-Schule ist beschlossene Sache: vom BAT auf den jederzeit kündbaren Normalvertrag Bühne. Wozu noch die Aussprache, die Argumente gegen diesen Wechsel waren in den Wind gesprochen.

Nach der Pressebeschimpfung durch OB Christian Ude, der damit gleich noch einmal die Stadträte der Koalitionsfraktionen auf Linie brachte, schoss CSU-Kulturstadträtin und Korreferentin Ursula Sabathil scharf gegen die geplante Tarifänderung und die Art und Weise ihrer Durchsetzung: "Wenn den Lehrern kein Rederecht gewährt wird, um ihre Bedenken zu spezifizieren, muss man hellhörig werden. Maulkörbe sind immer schlecht, das wissen wir aus der Geschichte." Sabathil widersprach den Behauptungen Udes sowie der Kammerspieler Frank Baumbauer (Intendant) und Siegfried Lederer (Geschäftsführer), die angestrebten Künstlerverträge NV Bühne würden eine bessere Bezahlung der Dozenten ermöglichen: "Ich sage, es handelt sich darum, Leute zu geringerem Gehalt zu engagieren und darüber hinaus sie unter Kuratel zu stellen."

Indirekt lieferte Frank Baumbauer dazu die Bestätigung, indem er die angestrebten Verträge auf Zeit deshalb favorisierte, "um durch sie auch eine andere Einflussmöglichkeit zu haben".

Ein heikler Punkt in der Diskussion war die Tatsache, dass der Personalrat der Kammerspiele seine Zustimmung zum Vertragswechsel zurückgezogen hat. Geschäftsführer Lederer konnte seinen Zorn darüber nicht zügeln und beschimpfte öffentlich dieses Gremium: "Ich frage mich, was von einem Personalrat zu halten ist, der so verfährt."

Dann erhielt SPD-Kulturstadträtin Ingrid Anker das Wort. Sie, die ihre Zustimmung von der Entscheidung des Personalrats abhängig machen wollte, behauptete nun, dass der die Zustimmung nicht zurückgezogen, sondern er sich nur aus dem Verfahren ausgeklinkt habe. Sie sprach von einem "Klima der Hysterie" und sagte brav: "Ich unterstelle Herrn Noch (Neuer Direktor der Falckenbergschule, Anm. d. Red.), Herrn Baumbauer und Herrn Lederer, dass sie die Schule zukunftsmäßig aufstellen."

Doch um nicht ganz als die SPD-Frau dazustehen, die mitverantwortlich dafür ist, dass zukünftige Schauspiellehrer schnellstmöglich wieder entlassen werden können, fügte sie hinzu: Ein- oder Zweijahresverträge seien mit ihr nicht zu machen. Sie fragte Jochen Noch, an welchen Zeitrahmen er bei den Verträgen denke. Die Antwort: "Im Sinne der Kontinuität und Flexibilität" wolle man die Verträge langfristig ausstatten; das heißt, nach einer Art Probezeit auf fünf Jahre. Eine Zeitspanne also, die in der Regel einem Intendantenvertrag entspricht. Womit klar wäre, dass jeder neue Intendant die Schauspiellehrer nach seinem Geschmack auswechseln kann.

Kulturreferent Hans-Georg Küppers, der die Vorlage zum Vertragswechsel unterschrieben hat, fügte abschließend hinzu: Er sei überzeugt, dass man verantwortlich mit der neuen Situation umgehen werde "zum Nutzen der Schule", damit es in Zukunft heißen möge, wer von der Falckenbergschule komme, sei etwas ganz Besonderes. Der München-Neuling sollte wissen, dass das schon seit Jahrzehnten der Fall ist.

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