Falsch genähtes Kostüm

- Wir werden wohl nie erfahren, ob sie wirklich aufhören wollten. Was dem Publikum jetzt im Münchner Volkstheater aber wurscht war. Hauptsache, sie sind zurück: Toni (Tobias Bonn), Ursli (Christoph Marti) und Fräulein (Andreja ) Schneider, die vor 16 Jahren, also wahrscheinlich schon vor der medialen Etablierung des Begriffs Patchwork-Familie, sich zu einer solchen liierten ­ unter dem züchtigen Namen Geschwister Pfister. Und jetzt in ihrer Comeback-Show "Home, Sweet Home!" ­ das haben die Fans nach zweijährigem Pfister-Entzug verdient ­ lassen sie die Familie mal so richtig privat raushängen.

Ursli trägt gestreifte Unterhöschen und Tätowierung. Und wenn sein Bruder Toni, wegen nur noch halber Niere, zur Dialyse muss, landet er mit Schwägerin Fräulein Schneider, nebst die sexuellen Spielchen fördernden Staubsauger, auf der Lottercouch ­ man ist ja "en famille".

Ja, was noch? Man kramt Kindheitserinnerungen hoch, die trüben im Schatten des Matterhorns. Tratscht über Las-Vegas-Star Céline Dion (oh je, wenn die‘s wüsste). Ursli hat zu giftzotiger Nachrede einen besonders starken Hang. Man greift ungeniert zur Pulle, speziell das Fräulein, das, letzten Schrei kreierend, seinen Hut mit dem Lampenschirm verwechselt. Man torkelt, sabbert, kotzt durchs Heim, das eher so was ist wie ein Theaterfundus-Keller. Fräulein Schneider hat dabei immer noch ihren charmanten bulgarischen, Toni den Schwyzerdütsch-Akzent. Und Ursli zerkaut, wie eh und je, ein paar deutsche Brocken im amerikanisch blendend trainierten Sprachwerkzeug.

Aber Ursli drückt diesmal so furchtbar auf die Spaß- & Blödeltube. Viel mehr noch als früher, und angestrengter. Das liegt einmal an dieser so furchtbar dünnen Story einer g‘schlamperten Rat-Pack-Family mit so furchtbar überabgehangenen Witzchen. Vielleicht auch daran, dass sich die Pfisters zum ersten Mal fremder Regie anvertrauten. Doraine Green hatte den Ehrgeiz, diese drei hinreißenden Show-Narzissen mit Improvisationstheater der höheren Art zu konfrontieren. Das sitzt noch wie ein falsch genähtes Kostüm. Singen tun die Pfisters immer noch göttlich, ob als Alpenjodler oder Bulgaren-Chor, als Hawaiianer, Schlagerschnulzer oder Rock ‘n‘ Roller, klangschnittig begleitet vom Johannes-Roloff-Trio. Am Schluss rockt Ursli "Have a Party". ­ Beim nächsten Mal, bestimmt.

Bis Sonntag, 20 Uhr, Karten unter 089/ 5481 81 81.

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