Falsche deutsche Klänge

- Man hatte sich viel erwartet: der Chanson-Star Patricia Kaas in seinem ersten Film mit Jeremy Irons als Partner unter der Regie von Altmeister Claude Lelouch. Dazu eine trashige Geschichte: Er spielt einen Juwelendieb, sie eine Bar-Sängerin, und beide suchen in Marokko am Grab einer toten Heilerin die Erlösung von einem Gehirntumor; dazu Kostüme wie aus dem "Englischen Patienten", alte Juliette-Gréco- und Charles-Trenet-Hits ("Mon homme", "La mer"), Drehorte wie London, Paris, Marokko, Produkt-Placement für eine Juwelen-Firma und feine Hotels, ein Wiedersehen mit Claudia Cardinale in einer Gastrolle - das alles hätte einen unvergesslichen Film ergeben müssen.

<P>Doch leider kam die deutsche Fassung nicht an die atmosphärische Dichte des Originals heran. Die Dialoge bestehen zum Teil aus feinst geschliffenen Bonmots und berühmten Zitaten wie Mussets "Das Leben ist Schlaf, dessen Traum die Liebe ist". Die gesprochenen Texte verweben sich im Original mit der weichen Hintergrundmusik zu einem melodischen Fluss, aus dem Patricia Kaas' Chansons organisch hervorgehen - ein Effekt, der durch die - im übrigen nicht schlecht gemachte - deutsche Synchronfassung verspielt wird, zumal diese ins englisch-französisch-italienische Sprachgemisch noch völlig unnötige deutsche Laute einbringt, die sich durch eine Untertitelung hätten leicht vermeiden lassen.</P><P>Auch wäre man besser beraten gewesen, für Kaas neue unbekannte Lieder oder ihre fantastischen eigenen Chansons einzufügen, als ihr fast immer nur die Hits anderer großer Stars überzustülpen, an denen sie sich dann aber auch messen lassen muss. </P><P>So verpufft die Doppelbödigkeit der raffiniert ineinander verklinkten Geschichte auf der Durchreise zwischen Vergangenheit und Gegenwart und zwischen alten und neuen Beziehungen in allzu geschäftiger Geschwätzigkeit, an der auch die edlen Bilder nichts ändern können. (In München: City.)<BR><BR>"And Now, Ladies and Gentlemen . . ."<BR>mit Patricia Kaas Jeremy Irons<BR>Regie: Claude Lelouch<BR>Annehmbar </P><P> </P>

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