Aus dem Familienalbum

- Auch im Jahr eins nach dem berüchtigten "Ring in 24 Stunden" bleibt man bei den Tiroler Festspielen in Erl Richard Wagner treu und stellt sich mit "Tristan und Isolde", der Eröffnungspremiere der Tiroler Festspiele Erl (bis 29. 7.), der nächsten Herausforderung aus dem Werk-Kanon des Bayreuther Meisters.

Ganz so geschlossen wie Gustav Kuhns über die Jahre gewachsene "Ring"-Deutung präsentiert sich sein "Tristan" jedoch (noch) nicht. Weniger was die musikalische Seite betrifft, die sich, wie fast immer in Erl, auf erstaunlich hohem Niveau bewegt, als vielmehr in szenischer Hinsicht. Festivalchef Kuhn, der wieder in Personalunion als Dirigent und Regisseur auf den Plan tritt, hat dafür ausgiebig im Familienalbum des Wagner-Clans geblättert und zeigt uns die beiden Protagonisten in Gestalt von Richard Wagner und Mathilde Wesendonk, die nun auf der Bühne des Festspielhauses ihrer verbotenen Liebe nachgeben.

Auf den ersten Blick glückt der Ansatz sogar, spielt die Biografie des Komponisten doch in kaum einer Oper eine derart bedeutende Rolle wie hier. Dass Brangäne an die betrogene Ehefrau Cosima erinnert, wirkt da schon weniger plausibel, und auch bei den übrigen Beteiligten will das Konzept nur bedingt aufgehen. Bei jeder Aufführung von Wagners Handlung in drei Aufzügen ruht das größte Augenmerk auf dem Darsteller des Tristan. Dieser gefürchteten Partie näherte sich Alan Woodrow nun bei seinem Rollendebüt noch mit zu großem Respekt. Musste man anfangs bangen, wie er den Abend durchstehen würde, mobilisierte der Tenor in den Fieberfantasien des dritten Aufzugs alle Reserven und lieferte, angefeuert vom Dirigentenpult, endlich jene packende Gestaltung, die man sich bereits von Beginn an gewünscht hätte.

Waren echte Heldentenöre schon immer rar gesät, muss man sich um die Besetzung der Isolde zumeist weniger Sorgen machen. So auch in Erl, wo man mit Michela Sburlati eine exzellente Interpretin zur Verfügung hatte, die mit warmer Mittellage imponierte und den Abend mit einem strahlenden Liebestod zu krönen wusste.

Ebenso einbezogen in den berechtigten Jubel wurden Monika Waeckerle als Brangäne und Michael Kupfers eindringlicher Kurwenal, die gemeinsam mit dem darstellerisch ungewohnt präsenten Marke von Duccio dal Monte das homogene Ensemble abrundeten.Tobias Hell

Infos: Tel. 0043/ 512/ 57 88 88-13; www.tiroler-festspiele.at

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