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Auf dem Weg zum Comeback? Fancy spielt in „Ein Callgirl für Geister“ einen Sänger, der es noch einmal wissen will.

„Ein Callgirl für Geister“ läuft beim Pop-up-Filmfest München

Klaus Lemke dreht mit Disco-Ikone Fancy

  • Michael Schleicher
    vonMichael Schleicher
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Er war eine Ikone der Disco-Ära der Achtziger. Jetzt gibt Fancy sein Debüt als Schauspieler – in „Ein Callgirl für Geister“ von Klaus Lemke. 

Vor einem Vierteljahrhundert hat Klaus Lemke sein herrliches Münchner Chaos-Paar Cleo Kretschmer und Wolfgang Fierek in die Wüste geschickt: „Das Flittchen und der Totengräber“ hieß damals die Komödie, in der die beiden Schwabinger Vögel in Las Vegas ihr Glück suchten. Am 23. August wird der Regisseur beim Münchner Pop-up-Filmfest im Autokino am Zenith seinen neuen Film vorstellen. Auch in „Ein Callgirl für Geister“ taucht ein Bestatter auf – und für diese (Neben-)Rolle hat Lemke einen Künstler aus dem Musikzirkus ausgegraben: Disco-Ikone Fancy.

Ein Besetzungs-Coup. Der Sänger, der 1946 in München als Manfred Alois Segieth geboren wurde, produzierte etwa für Hansa Records, bevor er in den Achtzigern mit eigenen Nummern Bühnen und Tanzflächen eroberte. „Chinese Eyes“, „Come inside“, „Lady of Ice“ und natürlich „Flames of Love“ zählten zu seinen Hits.

Klaus Lemke

„Fancy hatte damals eine wahnsinnige Anziehungskraft auf alle, die Giorgio Moroder zu enorm fanden, zu sehr Droge“, erinnert sich Lemke im Gespräch mit unserer Zeitung. Fancy sei „Disco ohne Drogen – auch wenn das eigentlich gar nicht geht“. Getroffen habe er den Musiker zufällig in der Copy-Oase an der Amalienstraße. „Da verkehren eigentlich nur Bummelstudenten, die kein Geld haben – und ich.“ Dann kamen er und der „volkstümliche Moroder“ ins Gespräch: „Er erzählte mir, dass er für ein ausverkauftes Konzert nach Moskau müsse. Ich hielt das für einen Witz.“ Lemke, der mit jeder Produktion beweist, dass auch jenseits von „Papas Staatskino“ funkelnde Filme entstehen, war in den Siebzigern zwar mit Moroder befreundet, Fancys „Slice me nice“ fand er aber gut, wegen des Textes („It’s Time for Action and I want it from you.“). Also besetzte er ihn nach dem Treffen in der Copy-Oase für „Callgirl“, gedreht wurde vergangenen Sommer. Wie immer bei dem 79-Jährigen ist das Finale seiner „Maxvorstadt-Balladen“ ohne Fördermittel, ohne Drehbuch und nur mit Laien entstanden. Fancy spielt einen Sänger, der die besten Tage hinter sich hat, als Bestatter jobbt und zurück ans Mikro will. „Aus Respekt und aus Spaß habe ich mitgemacht“, verrät er im Gespräch. „Klaus hat einen guten Namen. Aber man weiß ja bei ihm nie, was er aus dem Material macht.“ Übrigens: Das ausverkaufte Konzert in Moskau war kein Witz, natürlich nicht: „Die lieben halt die Achtziger.“

„Ein Callgirl für Geister“ läuft beim Pop-up-Filmfest

„Ein Callgirl für Geister“ erzählt freilich nicht nur vom Comeback des Bestatters. Eigentlich geht es um „die Blondine im weißen Kleid! Im weißen Ford Gran Torino!“, wie Lemke zusammenfasst. Die Frau sei „Champagner für die Augen – Gift für den Rest. Ihre Opfer entsorgt sie in Venedig. Im Kanal.“ Tatsächlich steckt viel Krimi in dem atmosphärisch dichten Film – und er hat einen überraschend poetischen Schluss. Gedreht wurde auf den wenigen hundert Metern zwischen Copy-Oase an der Amalienstraße und der Kunstakademie, wo in den vergangenen Jahren viele von Lemkes München-Filmen spielten. Zwar musste er seine Wohnung ums Eck aufgeben, dennoch ist der Regisseur hier zuhause und weiß, wie die Leute auf der Straße ticken. Das merkt man an jeder Einstellung.

Wie beim Vorgänger „Neue Götter in der Maxvorstadt“ (2019) macht Lemke auch jetzt seine Art des Arbeitens zum Thema. Es hat subversiven Witz, wenn er vor der Kamera über Anschlussfehler sinniert. In einer anderen Szene steht Raffael Betzler, der längst zum Inventar seiner Filme zählt, in seiner Fantasie-Uniform an der Straße: „Du hast mich bestellt. 19.30 Uhr. Drehen?!“ – „Für welchen Film?“ – „,Callgirl für Geister‘“ – „Ach.“

Lemke hat gerade „Berlin izza Bitch“ abgedreht 

Gerade ist Lemke aus Berlin zurückgekommen, wo er „Berlin izza Bitch“ realisiert hat, seinen Beitrag für die Berlinale im Frühjahr. „Der wird genauso abgelehnt wie die 13 Filme davor. Aber ich schicke denen in 30 Jahren noch Filme – wenn die alle tot sind.“ Und wer ihn ein bisschen kennt, weiß, dass er es genauso machen wird.

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